Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9
„Die Polentransporte aus Krakau? sind in fünf Bãnden als zweiter Teil in der Reihe„Buch der Erinnerung“ mit finanzieller Unterstüt?ung der La- gergemeinschaft-Freundeskreis erschienen. Hier ein Auszug:
Der Block wurde Wartesaal zum Gas genannt
Frinnerungen von Adolf Gawalewicz, der Block 7 in Birkenau
beschreibt.
„Wartesaal zum Gas“ es ist weder ein Begriff im übertragenen Sinne och die Suche nach einem billigen Ef- fekt. Diese Funktion erfüllte wirklich der Block Nr. 4 in Birkenau in der Ab- teilung BIb— später gekennzeichnet mit der Nr. 7 und Isolierstation ge- nannt. In diesem Block lebte ich eine sehr lange Zeit- wenn man die Zeit an der Intensitãt der Erlebnisse mißt.
Ich war dort vom 20. April bis zum 16. September 1942.(..) Der für mich so markante Frühling 1942 rückte im- mer näher. Es war mir gelungen, die Kondition eines paarunddreißig Kilo schweren Gespenstes konstant zu hal- ten, und dank verschiedener„leichten Arbeiten“ war ich wieder im Spi— talblock Nr. 20 als Patient des„Scho- nungssals“ bei Stanislaw RoZpek.(..) RoZpek versuchte, mich mit Zusatz- von Suppen zu füttern und
mich so bis zum Frühling aufzubewah- ren, damit ich in einigermaßen erträg- licher Form wieder zu den Arbeits- kommandos zurückkehren konnte. Es kam aber alles anders.
Bis zum heutigen Tag bewahrt das Gedächtnis die für immer einge- meißelten Erinnerungen an diesen Apriltag. Der Motor wollte lange nicht anspringen- ach dieses Holzgas! Wir standen zusammengedrängt auf der Fadeflãche eines Lastwagens vor dem Block Nr. 20.(..) Es war der 20. April 1942— Adolf Hitlers Geburtstag. Es
Ubersetzung aus dem Polnischen: Elzbieta Stamm
gab keine formelle Selektion. Einige wurden am Vortag zurück zum Lager geschickt und der Sanitätsdienstgrad (SDG), d. h. der Sanitäter Josef Klehr., nahm unsere Fieberkarten mit in die Schreibstube. Es wurden uns Klamot- ten ausgehändigt, natürlich ohne Män- tel und Mützen, dazu aber diese für manche von uns verfluchten und von den anderen verhaßten„Holländer“. Es wurde uns gesagt, dass wir Rekon- valesꝰenten sind und mit einem rans⸗ port zur leichten Arbeit fahren.
Für manche, wenig erfahrene Häft- linge klang es einigermaßen wahr- heitsgemäß, um so mehr, weil wir aus unserem Block auf eine milde Art, oh- ne besondere Schlãge vertrieben wur- den. Aber für uns alte Hãäftlinge, die s0 wie ich schon vor einigen Monaten das zweite Jahr des Lagerlebens angefan- gen hatten, hatte diese leichte Arbeit einen bedrohlichen Sinn.(..) Endlich das Rütteln eines startenden Autos, der flüchtige Blick auf die fast men- Schenleere Straße zwischen den Kran- kenhausbauten und in der Kurve vor der Küche ein wunderbarer in der Luft hängender Geruch- der Geruch des BS 6
Wir sind am Zielort. Vor einer ge- mauerten Baracke steht eine kleine in Fünferreihen aufgestellte, etwa 30 Per- sonen zählende Gruppe von ausge- mergelten Gestalten— es ist der Rest von über einem Tausend unserer Vor-


