Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31
Werte gegen Gewalt
Buchbesprechung von Franz von Hammerstein
Anna Pawelczynska,
Werte gegen Gewalt Betrachtungen
einer Soziologin über Auschwitz.
Aus dem Polnischen von Jochen
August. Verlag des staatlichen Mu-
Seums Auschwitz-Birkenau, Oswie- 0 2001. ISBN 83-85047 913
Die Verfasserin dieses für das Ver- stãndnis von Auschwitz wichtigen Bu- ches war von Mai 1943 bis Oktober 1944 Häftling in Auschwitz. Vor und wãhrend ihrer Inhaftierung war sie im Widerstand gegen die Nazis. Auch im Polen der Nachkriegsjahre engagierte sie sich gegen das-nun- kommunisti- sche Regime.
Anna Pawelczynska wurde im Mai 1945 nahe Flossenbürg befreit. Zurũck in Polen studierte sie Soziologie. Jochen August hat in einer„Fditorischen Nachbemerkung“ ausführlich den Le- bensweg der Verfasserin beschrieben. Erst 1973 konnte das Buch mit ermuti- gender Hilfe des ebenfalls ehemaligen
und für die Ehe- aligen unerhört hilfreichen Arztes Stanislaw Klodzinski veröffentlicht werden. 1970 erschien eine englische Ubersetzung und erst jetzt, fast 30 Jah- re Spãter, auf Initiative von Jochen Au- gust, langjähriger Mitarbeiter von Akti- on Sühnezeichen, die deutsche Fassung.
Es geht nicht einfach um eine Be- schreibung der meist schrecklichen Haft mit überwiegend tõdlichem Aus- gang, sondern um eine Analyse sowohl der verschiedenen Häftlingsgruppen (Männer/Frauen, Nationalitäãten, Reli-
gionen usw.) als auch der Bewacher, der„Autorität des Terrors“. Welche Hãftlinge sind zur Ermordung vorge- schen(Juden, Kinder, Alte), welche ha- ben Uberlebenschancen? Wie kõnnen sie sich gegenseitig helfen? Welche Kontakte hat es zwischen der Außen- welt und den Menschen im Lager ge- geben? Wie war der Terror im Lager organisiert? Wie wurde die Solidaritãt unter den Häftlingen möglichst zer- brochen? Welche Rolle spielten die „Funktionshäftlinge“? Die Formen des Terrors durch SSBewacher, durch „Sonderbehandlung“, durch sofortige Ermordung insbesondere der meisten Juden(ohne Registrierung), durch Diskriminierung angeblich„rassisch minderwertiger Slawen“(Polen, Rus- sen u. a.). Aber auch die Versuche zu überleben, waren vielfältig. Leider ent- stand auch eine Hierarchie unter den Häftlingen: von Bevorzugten(Elite) bis zu„Muselmanen“, den Schwäch- sten, entstanden unüberwindliche Ab- gründe, die von der S8 verstärkt wur- den. Die Häftlinge wurden mit ver- schieden farbigen Winkeln gekenn- zeichnet: Politische(rot), Sexualtäter (rosa), Bibelforscher/Pazifisten(vio- lett), Kriminelle(grün), Juden(gelber Stern) und mit Buchstaben(Län- der/Nationen) sowie Nummern(am Arm tätowiert).
In den weiteren Kapiteln werden einzelne Aspekte des KZ geschildert, so die verschiedenen Orte, die Todes- fabrik, die Tahlenstärke des Gewalt- apparates, Liebe und Frotik, Kãmpfe


