Heft 
(2002) 1/2002. Juni 2002
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31

Werte gegen Gewalt

Buchbesprechung von Franz von Hammerstein

Anna Pawelczynska,

Werte gegen Gewalt Betrachtungen

einer Soziologin über Auschwitz.

Aus dem Polnischen von Jochen

August. Verlag des staatlichen Mu-

Seums Auschwitz-Birkenau, Oswie- 0 2001. ISBN 83-85047 913

Die Verfasserin dieses für das Ver- stãndnis von Auschwitz wichtigen Bu- ches war von Mai 1943 bis Oktober 1944 Häftling in Auschwitz. Vor und wãhrend ihrer Inhaftierung war sie im Widerstand gegen die Nazis. Auch im Polen der Nachkriegsjahre engagierte sie sich gegen das-nun- kommunisti- sche Regime.

Anna Pawelczynska wurde im Mai 1945 nahe Flossenbürg befreit. Zurũck in Polen studierte sie Soziologie. Jochen August hat in einerFditorischen Nachbemerkung ausführlich den Le- bensweg der Verfasserin beschrieben. Erst 1973 konnte das Buch mit ermuti- gender Hilfe des ebenfalls ehemaligen

und für die Ehe- aligen unerhört hilfreichen Arztes Stanislaw Klodzinski veröffentlicht werden. 1970 erschien eine englische Ubersetzung und erst jetzt, fast 30 Jah- re Spãter, auf Initiative von Jochen Au- gust, langjähriger Mitarbeiter von Akti- on Sühnezeichen, die deutsche Fassung.

Es geht nicht einfach um eine Be- schreibung der meist schrecklichen Haft mit überwiegend tõdlichem Aus- gang, sondern um eine Analyse sowohl der verschiedenen Häftlingsgruppen (Männer/Frauen, Nationalitäãten, Reli-

gionen usw.) als auch der Bewacher, derAutorität des Terrors. Welche Hãftlinge sind zur Ermordung vorge- schen(Juden, Kinder, Alte), welche ha- ben Uberlebenschancen? Wie kõnnen sie sich gegenseitig helfen? Welche Kontakte hat es zwischen der Außen- welt und den Menschen im Lager ge- geben? Wie war der Terror im Lager organisiert? Wie wurde die Solidaritãt unter den Häftlingen möglichst zer- brochen? Welche Rolle spielten die Funktionshäftlinge? Die Formen des Terrors durch SSBewacher, durch Sonderbehandlung, durch sofortige Ermordung insbesondere der meisten Juden(ohne Registrierung), durch Diskriminierung angeblichrassisch minderwertiger Slawen(Polen, Rus- sen u. a.). Aber auch die Versuche zu überleben, waren vielfältig. Leider ent- stand auch eine Hierarchie unter den Häftlingen: von Bevorzugten(Elite) bis zuMuselmanen, den Schwäch- sten, entstanden unüberwindliche Ab- gründe, die von der S8 verstärkt wur- den. Die Häftlinge wurden mit ver- schieden farbigen Winkeln gekenn- zeichnet: Politische(rot), Sexualtäter (rosa), Bibelforscher/Pazifisten(vio- lett), Kriminelle(grün), Juden(gelber Stern) und mit Buchstaben(Län- der/Nationen) sowie Nummern(am Arm tätowiert).

In den weiteren Kapiteln werden einzelne Aspekte des KZ geschildert, so die verschiedenen Orte, die Todes- fabrik, die Tahlenstärke des Gewalt- apparates, Liebe und Frotik, Kãmpfe