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(2002) 1/2002. Juni 2002
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30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

cher Betroffenheit gespeichert, einbe- kannt worden? Wie weit wurde die ei- gene Verstrickung den Kindern ge- genüber eingestanden? Wahrscheinlich oder sicher- abermals nicht! Deswe- gen sind auch die Bücher von Ueber- schär/Vogel und Bajohr ein absolutes Muss. Sie zeigen, dass die Grundlage der NSHerrschaft und ihrer rassisti- schen Vernichtungs-Ideologie eine rãu- berische Maschinerie zur Bereicherung, zur Gewinnung von Status, Geld, Do- tationen und Zuwendungen war. In den Worten von Bajohr:Mit der Aufhe- bung der Gewaltenteilung beseitigten die Nationalsozialisten auch jene checks and halances, die effiziente Machtkon- trolle gewãhrleisteten. Somit stellt sich die Frage, wie wãhrend der Jahre 1933 bis 1945 auch die eigene Familie von der Ausbeutung der Bodenschätze in den okkupierten Gebieten, dem Wegschlep- pen von Wertgegenstãnden und Vermõ- gen der Opfer profitiert hat.

Wolfram Wette(Hrsg.), Retter in Uniform, Handlungsspielrãume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frank- furt am Main, April 2002

Und schließlich das Buch Ketter in Uniform. Es waren kaum 100 Soldaten, die unter schwierigsten äußeren Bedin- gunen ihre humane Einstellung nicht verraten haben so der Freiburger Mi- litärhistoriker Professor Dr. Wolfram Wette. Von einigen dieser Retter und Helfer, für die Arno Lustiger den tref- fenden BegriffRettungswiderstand vorschlãgt, wird in diesem Taschenbuch berichtet. Den Hauptteil bilden die Ein- zeldarstellungen über Anton Schmid, Wilm Hosenfeld, Karl von Bothmer,

Gerd K. Ueberschär/ Winfried Vogel

Dienen und Verdienen Hitlers Geschenke an seine Fliten

Reinhold Lofy, Frich Heym, Willi Schulz, Dr. Fritz Fiedler, Karl Laabs, Dr, Albert Battel, Max Liedtke und Heinz Drossel. Ihre Namen seien hier aus- drücklich genannt. Die Namen der Richter, die Todesurteile ausgespro- chen haben, die Namen der Täter in den Erschießungskommandos sowie der Denunzianten und all der anderen, die auf Seiten der Täter beteiligt waren, werden allerdings nicht genannt. Wa- rum eigentlich nicht? Was ist aus ihnen geworden? Was mõgen sie ihren Fami- lien über die Einsätze erzãhlt haben? Abschließend sei auf eine Studie der Universität EFssen hingewiesen, über die in der Frankfurter Rundschau vom 11. Mai 2002 unter der Uber. schriftForscher stoßen auf Sehnsucl nach neuem Selbstbewusstsein und Entlastung von Geschichte berichtet wird. Demnach will die Mehrzahl der befragten 2100 Studenten einen Schlussstrich setzen und endlich einer selbstbewussten Nation angehören. Welcher Art das Selbsthewusstsein ist, das aus Verleugnung und nicht tra- dierter Familiengeschichte erwächst, kann nur mit Erschrecken zur Kennt- nis genommen werden. Albrecht Werner-Cordt