Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
Linz in Osterreich) Anfang Januar 1945 nicht mehr verlassen. Ihm ver- danken wir Nummernverzeichnisse von im Lager angekommenen Trans- porten, darunter auch von solchen mit jüdischen Häftlingen, die mit Num- mern der Serien a“(wurden nament- lich registriert) und„b(wurden ohne namentliche Registrierung sofort in den Gaskammern ermordet) gekenn- eichnet wurden. Diese Verzeichnisse Gden unter Lebensgefahr von Smo- len und anderen Hãäftlingen, die von der S8 zur Arbeit im Aufnahmebüro der Politischen Abteilung abkomman- diert waren, an Widerstandsorganisa- tionen weitergegeben.
Auschwitz ließ Kazimierz Smolen auch nach dem Krieg nicht mehr los: Von 1952 bis zur Wende in den 90er Jahren war er Direktor der Gedenk- Stätte Auschwitz-Birkenau. Er arbei- tete über juristische und historische Fragen, war Gutachter im großen Frankfurter Au- Schwitz-Prozess von 1963 bis 1965 und begleitet auch heute noch als Zeitzeuge Gruppen beim Rundgang durch das heutige Mu-
Geumsgelande Auschwitz. Darunter sind besonders viele deutsche Gruppen, denn die Sprache seiner einstigen Peiniger spricht er scehr gut. Noch immer wohnt Kazimierz Smolen auf dem Gelände des ehe- maligen Lagers.
In seinem eindrucksvol- len Vortrag schilderte der 82Jährige sehr sachlich und emotional zurückhaltend
die Geschichte des Lagers, dessen All- tags mit seinen vielen unvorhersehba- ren Grausamkeiten, gelungenen und fehlgeschlagenen Fluchtversuchen und nicht zuletzt seine eigenen Erlebnisse bis zu seiner Befreiung am 3. Mai 1945 durch die USamerikanische Armee im österreichischen Salzkammergut, wo- hin er nach seiner Verlegung aus Maut- hausen verbracht worden war.
Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum nahmen Referent und Zuhörer mit betroffenem Erstaunen zur Kenntnis, dass zwischen dem Wetz- larer Raum und der Mordmaschinerie von Auschwitz bestanden und bestehen. Hier waren nach 1945 die Familien von
SSOberscharführer FW. Boger, Mit- glied der berüchtigten„Politischen Ab- teilung“ in Auschwitz und„Erfinder“ des Folterinstrumentes„Bogerschau- kel“, und des KZArztes und SSStand- ortar?t Dr. Friedrich Entress zu Hause.


