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(2002) 1/2002. Juni 2002
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22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

rekt, Ssondern durch ein Stück Stoff. Sie sangen dabei und tranken Schnaps. Ne- ben mir lag ein Mann, der immer noch rõchelte. Sie brauchten 5 Schüsse, bis er endgültig tot war. Diese Schüsse ver- letzten meine Beine. Ich lag in einer Blutlache und überlegte, wie lange wer- de ich mich noch so quãlen und langsam sterben. Gegen Abend ist es mir gelun- gen, die auf mir liegenden toten Leiber wegzuschieben.

Im Laufe des nãchsten Tages haben die Deutschen 23Mal vorbeigeschaut, sie sind mit den Hunden über die Lei- chen gelaufen und haben geprüft, ob jemand überlebt hat. Am dritten Iag ha- be ich Bewegungen des Kindes in mei- nem Bauch vernommen, und der Ge- danke, dass dieses Kind nicht sterben darf, verursachte, dass ich mich um- schaute und nach Rettung suchte. Auf allen Vieren robbte ich über die Lei-

chen und suchte nach einem Ausweg. lch wusste, dass der Weg durch den er- sten Hof mit Leichen versperrt war. Hinter dem Tor hörte ich Stimmen der Deutschen. Ich robbte in den dritten Hof, und hier fand ich in einer Halle ein Versteck, wo ich die ganze Nacht blieb.

Es war eine schreckliche Nacht. In der Nähe standen sogar Tiger und die Flugzeuge bombardierten ständig. lch glaubte, dass die Fabrik mit allen diesen Leichen jeden Moment brennt Am Morgen wurde es still. Ich kletter- te auf das Fensterbrett und schaute in den Hof. Ich sah eine Frau, wie durch ein Wunder gerettet, dann noch einen etwa 60 jährigen Mann, der gerade sein Auge verloren hatte. Nach einem langen Suchen nach einem Fluchtweg verließen wir das Fabrikgelände. Der Mann blieb, da er Stimmen der Ukrai- ner gehört hatte.

Kaꝛimierz Smolen-Auschwitz-Häftling Nr. 1327 Von Gerhard Herr

Kazimierz Smolen, Auschwitz-Häft- ling und nach dem Ende des Krieges langjähriger Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz, berichtete am 13. März in Wetzlar imBuchladen am Kornmarkt auf Einladung der Lager- gemeinschaft vor rund zwei Dutzend Zuhörern über seine Häftlingszeit und seine spãtere Arbeit in der Gedenkstãt- te. Gefõrdert wurde die Veranstaltung durch die Hessische Landes?entrale für politische Bildung.

Als einer der immer weniger wer- denden authentischen Zeitzeugen sich selbst nennt er einenetzten Mohika- ner bringt Smolen in Schulen und an- deren Bildungseinrichtungen seinen

Zuhörern die Folgen einer menschen- verachtenden Ideologie nahe, die mit dem Ende des NSRegimes keineswegs zu existieren aufgehört hat.

Kazimierz Smolen(¶Jahrgang 1920 wurde als Gymnasiast schon im Herbst 1939 wegen seiner Arbeit im polnischen Untergrund gegen die NS- Besatzer verhaftet und nach einem Gefängnisaufenthalt in Krakau im Ju- ni 1940 in das im Aufbau befindliche Konzentrationslager Auschwitz einge- liefert. Mit der Hãftlingsnummer 1327 gehörte er zu den ersten polnischen Transporten, die nach Auschwitz ka- men. Er hat dieses KZ bis zu seiner Verlegung ins K?Z Mauthausen(bei