Heft 
(2002) 1/2002. Juni 2002
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10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Osteuropa zu verfilmen, doch ist damit natürlich nur die Hãlfte getan. Die Tex- te müssen publiziert werden, dafür wa- ren sie in der Regel ja auch bestimmt. Nur so können sie Teil unseres kultu- rellen Gedãchtnisses werden. Dazu kommen Texte und Tagebücher, die oft- mals noch im privaten Besitz sind und wir haben gerade einen solchen Fall erlebt die dann nicht selten auf den Müll kommen, wenn die jeweiligen Au- toren sterben. Wir wollen auch für die- se Fãlle Ansprechpartner sein.

Jeder Text für vich ist ein Penkmal- ist nicht schon deswegen die Erhaltung jedes einzelnen Schriftstiichkes geradezi eine Verpflichtung für uns alleꝰ

Leibfried: Ganz recht. Und ich se- he eine ganz besondere Verpflichtung für deutsche Wissenschaftler, bei der Erhaltung dieser Texte mitzuwirken. Insofern ist es für mich nach wie vor unverständlich, dass es bislang an- ders als in England oder Amerika keine Zentrale Bibliothek für die Tex- te gibt und ausser uns keine Ein- richtungen, die sich mit der Sammlung und der Interpretation der Holocaust- literatur beschäftigen. Interpretation der Texte ist übrigens ein ganz wichti- ger Bestandtteil unserer Arbeit.

In Amerika giht es wesentlich mehr Forchungseinrichtungen für diese Ayt von vom Verlust bedrohter Geschichts- Schreibung. oral historꝰ ist nicht eyst Seit Steven Spielberg ein populdres Wema, das durch õpfentliche Stiftun- gen unterstitzt wird. In Peutschland Scheint es paradoxerweise Sowohl we niger Interesse als auch weniger Förde- rung für volche Einrichtungen zu ge- hen. Wie finanzieren Sie die aufwendige Arheit Ihres Institutesꝰ

Leibfried: Die Unterstützung ist leider sehr bescheiden; finanziell wer- den wir mit einem ganz kleinen Btat von der Chambré-Stiftung versehen aber damit ist uns leider nur mõglich, das eine oder andere Publikationspro- jekt Zu realisieren, mehr nicht. Ab und an bekommen wir auch eine extra Hilfskraft vom Präsidenten unserer Universität genehmigt. Alles andere müssen wir über Drittmittel einwer⸗ ben. Die moralische Unterstützung da schon etwas größer: Auf Ablehnung jedenfalls stoßen wir mit unserer Ar- beit in den seltensten Fãllen.

Hat die Giessener Universitãt einen Lehrstuhl oder zumindest eine Mitar- heiterstelle für Ihre Arbeit eingerichtetꝰ

Leibfried: Leider hat die Univer- sität bislang keine Möglichkeit gese- hen, uns stellenmäßig unter die Arme zu greifen. Wir machen im Augenblick alles quasi'nebenher. Uber Kurz oder Lang werden wir kapitulieren müssen. Mit einer einzigen Mitarbei- terstelle, die nur und ausschließlich der Arbeitsstelle Holocaustliteratur zur Verfügung stünde, wãre uns schon geholfen und das Projekt langfristig gesichert. Leider suchen wir für diesz Stelle noch nach einem GeldgebeW Wir sind hier dringend auf Mithilfe und Unterstützung von außen ange- wiesen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch und wnschen Ihnen, dass Sie diese wichtige Arbeit fortsetzen Können.

(Erstabdruck in: Frankfurter Jüdi- sche Nachrichten März/April 2002/ Pessach 5762)