Heft 
(2001) 2/2001. Dezember 2001
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1

Nichts wie zuvor und alles wie gehabt Fin Rückblick

Nach dem 11. September dieses Jahres werde nichts mehr so sein, wie es war. Auf diese Formel haben Massenmedien und Politik die õffentliche Meinung fest- gelegt. Eine neue Dimension der Geschichte tue sich auf. Wem fiele hierzu nicht das Millenium-Gerede mit seiner Beschwörung einer Zeitenwende ein? Oder wurde nicht angesichts des Endes des Kalten Krieges dasEnde der Geschich- te verkündet?Nun haben wir, schreibt ein kritischer Kolumnist,exakt die- Ses Pathos ja schon beim Fall der Mauer strapaziert, und es müsste einem unbe- fangenen Beobachter doch seltsam erscheinen, dass sich die Weltgeschichte in nur

ölf Jahren gleich zweimal einen Ruck gibt.(Frankfurter Rundschau, 6.11.01)

Wenn überhaupt- datierbar und lokalisierbar-ein Geschehen der neueren Zeit eine historische Zäsur begründet, dann ist es Auschwitz. Dass nach Ausch- witz in der Tat nichts mehr ist wie bislang, das bekunden die Opfer. Denn jene Läsur, die als Riß die Zeitvor Auschwitz von der Zeitnach Auschwitz trennt, bezeichnet für die Opfer, ihre Angehörigen und ihre Nachkommen un- mittelbar zerstörte Lebensgeschichte. Für die Täter dagegen, die Zuschauer und Nutznießer ist Auschwitz eine kurzfristige in der Regel folgenlose-Unterbre- chung des eigenen Lebenslaufs. Verdrängung und Rechtfertigung bestimmen die Biografien, in denen die Zeit weiter ging und weiter geht wie gehabt.

Die gesamteBehandlung derWiedergutmachung undEntschädigung, des Umgangs mit KZ-, Ghetto- und Lagerhäftlingen sowieZwangsarbeitern Sklavenarbeiter heißt es im Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg richtig, diese elende Nachkriegsgeschichte ist eine Geschichte der gebrochenen Erinnerung und verantwortungslosen Verweigerung, die Zukunft zu gestalten im Bewusstsein dessen, was den Opfern angetan wurde. Was also ist Zu sagen zur Namensgebung der Entschädigungs-StiftungErinnerung, Verant- wortung und Zukunft?

Zum Jahresende informieren wir über den aktuellen Stand derEntschädi-

Mngs Zahlungen der Stiftung. Dieses Thema:Zwangsarbeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Heft- von der dokumentarischen Darstellung über Buchbesprechungen bis zur Wiedergabe von Tätigkeitsberichten und Projekten befreundeter Organisationen.

Wir sprechen Sie an als Freunde imFreundeskreis und bitten um eine Spende, die direkt den Opfern und ihren Familien zugute kommen wird. Sie erreichen damit ehemalige Häftlinge, die sich in Krakau, Zgorczelec und War- schau treffen. Sie helfen bei der medizinischen Versorgung einzelner Patien- ten. Sie unterstützen Studien des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, durch die das Schicksal der Namenlosen vor der endgültigen Auslõschung be- wahrt wird. Sie entschãdigen nichts- aber Sie erreichen Freunde.

Pin gutes neues Jahr wünschen wir Ihnen und sagen Dank

Für den Vorstand der LGA Albrecht Werner-Cordt