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(2001) 1/2001. Juni 2001
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Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwit?er 27

schen: die Mutter, ein Sohn und eine Schwiegertochter.

Der rassenrechtliche Status der Familie wird ausdrũcklich in einem ei- genen Abschnitt erläutert: doch Per- version und Willkür der rassistischen Verfolgung und Vernichtung durchzie- hen als roter Faden das ganze Buch. Vordergründig steht die Mutter im Mittelpunkt, im Grunde aber ist das Geschehen Jahr für Jahr, Seite für Sei-

e auf Rassenwahn und Antisemitis- 6 zentriert. Von diesen her er- schließen sich die Ursachen und Folgen, denen Millionen Menschen zum Opfer fielen.

In diesem Sinne und Verständnis liest sich auch der größere Teil des Bu- ches(circa 150 Seiten), dieFamilien- geschichte. Barbara Schieb hat sie ein- fühlsam und sachkundig geschrieben. Der Berliner Historikerin gelingt es.

Familiengeschichte als Zeitgeschichte S0 darzustellen, dass der Leser unmit- telbar nach-erlebt, was den Nationalso- zialismus so monströs und einzigartig macht: dieAuslöschung der Juden und anderer minderwertiger Rassen. Unerhört sei dieses Buch, hiess es am Anfang dieser Rezension. Eine derart materialreiche Studie, die uns die Stimmen der Opfer in einer für die Lieben daheim beschönigenden Form zu Gehör bringt, hinter der das erleb- te Grauen dennoch anschaulich spür- bar bleibt, erfasst den Leser in einer bislang nicht gehörten Weise und ge- radezu schockartigen Betroffenheit. Und es ist zu wünschen, dass die ver- schlüsselten Botschaften und Rufe nach einem Ausweg, die zwischen den Zeilen der Nachrichten zu hören sind,

dieses Mal nicht unerhört bleiben. Albrecht Wernen Cordt

Wie in Frankfurt/ Main mit Minderheiten, den Anderen umgegangen wurde.

Minderheiten in Frankfurt am Main. Vom Umgang mit Anders- denkenden-Andersglaubenden- 0 Anderslebenden, Vorträge von achim Proescholdt und Jürgen Ielschow Schriftenreihe des Evangelisch-lu- therischen Predigerministeriums Frankfurt am Main, Heft 5. 19,50 DM(Direktbezug bei La- gergemeinschaft).

Fin mit knapp 200 Seiten ver- gleichsweise dünnes Buch legen die Autoren zum wieder einmal brand- aktuellen Thema Antisemitismus und

Rassismus vor, aber ein Buch, das es in sich hat: Vorzüglich illustriert, mit prägnanten Anmerkungen und Hin- weisen zur Literatur werden vier kenntnisreiche Vortrãge verõffentlicht über Frankfurter Juden- Von der Ausgrenzung bis zur Emanzipation (Joachim Proescholdt),Frankfurter Juden- Vom Antisemitismus zur Shoah(Joachim Proescholdt),Reli- giöse Minderheiten in Frankfurt am Main gestern und heute Cürgen Telschow) sowiePaul Schneider- Der Prediger von Buchenwald (Joachim Proescholdt).

Den Vorträgen merkt man erfreuli-