Heft 
(2001) 1/2001. Juni 2001
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

hatten und haben einen Namen.

Die Entwurfs-, Werk- und Detail- plãne zum GebäudeBW.32 wurden vom Hãftling mit der Nummer 538 ge⸗ zeichnet. Sein Name ist Leon Sawka. Mit dem 1. Transport wurde er am 14. Juni 1940 nach Auschwitz deportiert. Er war 19 Jahre alt. Im Herbst 1944 wurde er über das KI Groß-Rosen ins KI Buchenwald verlegt. Nach dem Krieg wohnte er in Przemysl. Er starb am 30. Juli 1980.

Die Zeichnung zurAufstellung ei- nes Druckkessels im Entwesungsge- bäude K. G. K. fertigte der Häftling mit der Nummer 129753. Sein Name ist Stanislaw Wein. Mit 41 Jahren kam er im Juni 1943 mit einem Transport aus Kattowit?. Nach einem halben Jahr Lagerhaft wurde er entlassen.

Der Bestandsplan des fertigen Ob- jektes zeichnete der Häftling mit der Nummer 23241. Sein Nabe ist Anatol Adamczyk. Er war 31 Jahre alt, als er mit einem Transport aus Radom am 26. 11. 1941 ins KI Auschwitzeinge- wiesen wurde. Im Herbst 1044 wurde er in das K Flossenbürgüberstellt. Er überlebte. Nach dem Krieg wohnte er in Radom.

Weiter zeichneten Häftlinge mit den Nummer 89711 und 89722 Pläne für das BauvorhabenBW. 32*. Ihre Namen sind Wilhelm Kappel und J6 zef Kouba.

Gewidmet ist dieses Buch auch den Häftlingen, die das Haus bauen muß ten. Der weitaus größte Teil der Bau- arbeiten wurde durch die verschiede- nenKommandos geleistet. Nach Berichten war die Arbeit in diesen Kommandos im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch. Beim Bau der

Sauna waren, im Durchschnitt, täg- lich etwa 130 Häftlinge beschäftigt, an einigen Tagen waren es 200 bis 250 Hãftlinge. Dokumentiert ist derEin- sat? vonZigeunern beim Aushub der Fundamente und der Baugrube. Wieviele von ihnen waren wohl im August 1944 noch in Auschwitz, als das sogenannte Zigeunerlager in ei- ner Nacht liquidiert wurde?

Unter den heute noch bestehenden Bauten des ehemaligen Vernichtunge lagers Birkenau ist das GevauM BW. 32 Desinfektions- und Entwe- sungsanglage von besonderer Be- deutung. Durch seine technisch-funk- tionale Gestaltung, durch Größe und Lage innerhalb desLagerabschnittes BIIg, dem PffektenlagerKanada, ist dieses Gebäude ein bauliches Po- kument rationeller Planung und Aus- führung des Massenmordes. Die in diesem Buch verõffentlichten Berich- te ehemaliger Hãäftlinge beweisen dies auf das Eindringlichste.

Dem künftigen Besucher werden auf seinem Weg durch das Gebäude nur wenige Sachinformationen ver- mittelt. Das Gebäude und seine Räu- me werden für sich selbst Sprechen. Er wird die brutale Frostlosigkeit de Funktionsräume enptinden aieleieſ Trauer und Schmerz vor den verein- zelt vorhandenenLebensspuren der ehemaligen Häftlinge erfahren, um am Ende seines Weges vor den pri- vaten Fotos der Opfer, die vor dem Holocaust aufgenommen wurden, still zu werden.

Der praktizierte denkmalpflegeri- sche Umgang mit dem Gebäude BW. 32 als einem wichtigen Element der Lagerbebauung, offenbarte erneut