Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3
Architektur des Verbrechens
Das Gebäude der Zentralen Sauna“
im Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau
Vorwort von Helmut Morlok
Adieu“ sagte der Fuchs.„Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Antoine de Saint-Exupéry aus„Der kleine Prinz“*)
In diesem Buch wird aus der Ge- Onene eines Bauwerkes berichtet. Seine offizielle Bezeichnung lautet: „BW.32 im K. G. L. AUSCHWITZ O/S*, in den Akten wird es auch unter dem Namen„Neue“ oder„Zentrale Sauna“ geführt. Genutzt wurde dieses Gebãude als„Desinfektions- und Ent- wesunganlage im Lager AU II-BIR- KEFNAl“. Die Geschichte dieses Ge- bäudes wäre für die Geschichte des Lagers bedeutungslos ohne die Er- fahrungen der verfolgten Menschen- der Häftlinge nationalsozialistischer Herrschaft— deren Weg durch dieses Gebäude führte. Einige berichten in diesem Buch über das, was ihnen in diesem Gebãude widerfahren ist. Wie sie, an der Rampe zur Vernichtung 6 Arbeit selektiert, als vorläufig on der Ermordung in den Gaskam- mern Verschonte, in diesem Gebãude gängstigt, gequält, gedemütigt wurden. Wie ihnen ihr Namen genommen und durch-„ihre“ auf dem linken Unter- arm tãtowierte Nummer ersetzt wur- de.
Die Berichte von Wenigen müssen stellvertretend für die Erfahrungen von Vielen stehen. Ihnen allen ist die- ses Buch gewidment. Gewidmet ist es auch den Kollegen-Architekten, In-
genieuren, Iechnikern— die gezwun- gen waren im„Kommando Baulei- tung“ für die S8 zu arbeiten und ihre Zeichnungen und Berechnungen mit ihrer Häftlingsnummer signieren zu müssen.
Primo Levi(Häftlingsnummer 174517) schreibt vom„unaussprechli- chen Universum der Lager“! Zu dem „unaussprechlichen Universum Au- schwitz“ gehörte auch seine Architek- tur. Vom EFintreffen des 1. Transportes im Juni 1940 bis zur Räumung des La- gers im Januar 1945 war Auschwitz ei- ne ständige Baustelle. Für Planung und Erstellung der Lagerbauten gab es eine selbstãndig arbeitende Institu- tion, die Zentralabteilung der Waffen SS und Polizei Auschwit? O/8, ein großes„Architekturbüro“ mit über 100„Angestellten“- Häftlingen des „Kommandos Bauleitung“ die zeich- nen, berechnen und vermessen mus- sten. Die Pläne für das Gebäude O/8“ wurden in diesem Büro von mehreren Häftlingen gezeichnet, Es war mir eine selbstverständliche Pflicht, die Häftlingsnummern, soweit dies mõglich war, Zu entschlüsseln und dadurch diese Kollegen persönlich vorzustellen, denn alle„Nummern“


