30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
tigten Ausschnittes erschließen.
Daß das Objektiv einer Camera ehrlicherweise als Subjektiv' bezeich- net werden sollte, ist ein wohlfeiles ondit' das gleichwohl Möglichkeiten und Grenzen der Aussagefähigkeit jedweden photographischen Materi- als definiert. Nicht der vermeintlich dokumentarische', i.e. objektive', Blick wird ermöglicht, wohl aber der Blick des Aufnehmenden, der durch Bildausschnitt, Perspektive usf. be- stimmt, was er von der Totalität des von ihm Gesehenen weitergeben möchte. Von Retuschen, Montagen oder heute möglichen elektronischen Bearbeitungen einmal abgesehen, do- kumentiert natürlich jede photogra- phische Aufnahme Wirklichkeit. Aber eben bloß den subjektiv- vom Photo- graphierenden ausgewählten- Aus- schnitt einer Wirklichkeit, der noch dazu flüchtig ist. Das Fixieren eines womöglich nur Bruchteile einer Se-
kunde andauernden Momentes von wirklichkeit ist also doppelt gebro- chen, gebrochen durch das Moment der Vergänglichkeit, das sich dem Re- zipienten nicht unmittelbar erschließt. sich in dessen unreflektierter Wahr- nehmung gleichgar in sein Gegenteil verwandeln kann, gebrochen schließ- lich durch die den Rezipienten aufge- nõtigte Sichtweise des Photographie- renden, die als solche mitunter nicht
wahrgenommen wird. Es ist un?we
felhaft Meyers Verdienst auf᷑ dieses in- terpretatorische Spannungsfeld auf- merksam gemacht und methodische Wege aufgezeigt zu haben, Photogra- phien als historische Quelle Zu nutꝰen.
Meyen A.(Hg)- Der Bick des Be- suters Propugundaphotographie der Wehrmach aus Marseille I42044. Mit einem Vorwort von Serge Klars-
ſeld, Bremen(Edition Vemmen) 1900,
TBN 3.6606725


