Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29
Leiter der 1941 von der Vichy-Regie- rung auf deutschen Druck hin einge- setzten jüdischen Zwangsvereinigung UGIF in der Südzone'- und-schließ- lich eine schriftliche Verlautbarung, ebenfalls die Deportationen betref- fend, der jüdischen Sektion der MOI (einer Gruppe von Immigranten in- nerhalb der verbotenen kommunisti- schen Partei Frankreichs). Dem Le- senden erschließt sich die Evidenz
ieser Kombination von Täter und Opferperspektive allerdings nicht. Ei- ne ausführliche tabellarische Chrono- logie schließt dieses Kapitel ab.
Für Meyer ist das Kapitel über die Deportation der Marseiller Juden zen- tral. Die Dokumentation der Photo- graphien ist- was den vorhandenen Bestand von dreiunddreißig Aufnah- men anlangt vollstãndig. Anhand die- ses Kapitels möchte ich die Prãmissen von Meyer's Ansatz kurz darlegen. Der Autor geht von folgenden Vor- aussetzungen aus(S. 16 ff):
Photographien sind historische Primãrquellen, sie bedürfen der Kritik, der Analyse und der Interpretation.
»Der Entstehungskontext einer Pho- tographie ist zu ermitteln und anzuge-
en: Aufnahmedaten und orte ge-
ören ebenso selbstverständlich dazu wie der Name des Photographen, eventuelle Originalbildlegenden, Erst- publikation, ggf. Bildarchiv oder Auf- bewahrungsort
Hinzufügen wären- meiner An- sicht nach- grundsätzlich(grundsätz- lich heißt im Falle der vorliegenden Publikation, daß Meyer diese Anga- ben summarisch für den Bestand ins- gesamt angeben kann, für Einzelun- tersuchungen jedoch diese notwendig
sind) die folgenden Angaben:
»Liegt das Negativ vor, welches For- mat hat es?
* Ist die Photographie Bestandteil ei- ner Serieꝰ
» Handelt es sich bei der Photogra- phie um einen Abzug vom Original oder um eine Bearbeitung(e.g. Bild- ausschnitt)?
Meyer selber gibt für den von ihm untersuchten Bestand das Negativ- Format 36 X 24 mm(Kleinbild) an und weist auf, wann es sich bei den einzel- nen Bildern um Aufnahmen einer (vorhandenen) Serie handelt. Der zunächst bloß technisch anmutende Zusammenhang ist bei näherem Be- trachten durchaus interessant: Die hier von den Photographen verwende- ten Spiegelreflexcameras(Leica) ge- statteten(und gestatten noch) eine re- lativ unkomplizierte Handhabung- ein, wenn auch nicht gewichtiger, s0 doch unter Umständen, wichtiger Zu- sammenhang, vermag er doch etwas über die Schnelligkeit' angefertigter Serienaufnahmen auszusagen und ge- stattet er ebenso wenigstens eine An- nahme über die Spontaneität'(bezo- gen auf den Photographierenden) der Aufnahme, da ein Wechsel zwischen Quer- und Hochformat unmittelbar möglich war, überdies war und ist das Verwenden von Wechselobjektiven zur Bild- und damit Aussagegestaltung von Bedeutung.
Die Angabe schließlich, ob es sich bei dem Photo um einen Abzug vom Negativ oder einen Bildausschnitt handelt, ist natürlich von Wichtigkeit, will man sich den apriorisch subjekti- ven Charakter einer Photographie und womöglich den eines angefer-


