Heft 
(2000) 2/2000. Dezember 2000
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28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

sehr deutlich auf, welcher Methoden sich die Forschung hier zu bedienen hätte. Zu selbstverständlich und somit vom Rezipienten nicht(mehr) wahr- genommen, bedienen sich zeitge- schichtliche Darstellungen des vor- handenen Bildmaterials lediglich zum Zweck der Ilustration. Dieser ledig- lich illustrative Gebrauch- gelegent- lich ist sogar der verfängliche Begriff des Symbolbildes' verwendet worden ist natürlich weit von dem entfernt, was Friedrich P Kahlenberg, der ehe- malige Präsident des Bundesarchivs, in seinem Vorwort zu dieser Veröf- fentlichung als Forschungsziel defi- niert: Diese Forschung folgt dem Ge- danken, der Opfer zu gedenken. Ein Solches Gedenken. läßt den Opfern Gerechtigkeit wiederfahren und kon- frontiert die Nachgeborenen mit den Tatsachen'(S. 9f).

Meyers zweisprachige Publikation (deutsch/franzõsisch) überzeugt durch einen gegliederten Aufbau. Ihr Thema ist- grob gesprochen- der Zeitraum der deutschen Okkupation der bis da- hin unbesetzten Zone Frankreichs im November 1942 bis zur Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945. Innerhalb dieses Zeitraumes werden die deutsche Besetzung von Marseille, Räumung und Zerstörung des Hafenviertels, einschließlich der Deportation der dort lebenden Bevöl- kerung und schließlich die Deportati- on der Marseiller Juden focussiert. Ge- genstand dieser Focussierung sind die bereits erwähnten Photographien von Angehörigen der Propagandakompa- nien der Wehrmacht. In einem aus- führlichen Editorial werden For- schungsgegenstand, Forschungsinte-

resse und Methoden definiert- dazu später mehr. Der daran anschließende Abbildungsteil ist chronologisch auf- gebaut und in fünf Schwerpunkte ge- gliedert:Die Besetzung(Photogra- phien vom November 1942),Be- Satzungstourismus, Alltagsszenen (Photographien im Zeitraum Novem- ber 1 942 bis Januar 1943), Razzia und Räumung des Hafenviertels(Photo- graphien vom Januar 1943),Die D portation der Marseiller Juden(Ph tographien vom 23. und 24. Januar 1943),Die Zerstörung(Photogra- phien Ende Januar/Anfang Februar 1943 bis Juni 1944).

In einem ausführlichen Dokumen- tenteil- der allerdings(wenig sinnvoll) bereits mit der Deportation der Mar- seiller Juden im Januar 1943 endet werden zunächst solche Unterlagen aus deutschen Quellen(e.g. Armee- gruppenbefehle, Auszüge aus Kriegs- tagebüchern, Fernschreiben des RSHA, resp. Himmlers) bereitgestellt, die den Rahmen der damaligen Ereignisse ab- stecken. Ergänzt werden diese Quel- len durch zwei(gekürzte) Aussagen, die der ehemalige Höhere SS und Po- lizeiführer in Frankreich(Oberg)% der ehemalige Befehlshaber der Si cherheitspolizei und des SD in Frank- reich(Knochen) im September 1954 vor dem Pariser Militärgericht mach- ten.

Weiterhin beigegeben sind dem Dokumententeil das Reprint der Re- portage( Marseille?) eines deutschen Militärberichterstatters vom April 1943, Auszüge aus dem Tagebuch von R.-R. Lambert(Freitag, 22. Januar bis Sonntag, 24. Januar 1943), die Depor- tationen betreffend- Lambert war