Heft 
(2000) 1/2000. August 2000
Einzelbild herunterladen

16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Tögern, Zaudern, Zeitgewinnen

Deutsche Wirtschaft blockiert weiterhin Beginn der Zahlungen an

ehemalige Zwangsarbeiter

Auch nachdem das Gesetz zur Ein- richtung einer Stiftung zur Entschädi- gung von Zwangsarbeitern im Bun- destag verabschiedet wurde, sind noch keine Zahlungen erfolgt. Erstens hat die deutsche Wirtschaft ihren verspro- chenen Beitrag in Höhe von 5 Milliar- den Mark noch immer nicht zusam- men(weitere 5 Milliarden stellt die Bundesregierung zur Verfügung, und bei den 5 Milliarden der deutschen Wirtschaftsunternehmen sind die Steuerzahler ebenfalls beteiligt, denn die Beträge können vom zu versteu- ernden Finkommen abgesetzt wer- den) und zweitens wartet die Stif- tungsinitiative der deutschen Wirt- Schaft bis sogenannte Rechtssicherheit besteht. Das heißt, bis in den USA die eingereichten Sammelklagen von den Gerichten entsprechend einer Emp- fehlung, die von der Regierung Clin- ton im Verlauf der Verhandlungen zu- gesichert wurde, abgewiesen werden.

Zögern, Zaudern, Zeit gewinnen lautete im Juni eine Schlagzeite in der tageszeitung(taz) über die Taktik der deutschen Wirtschaft in der Frage der Entschädigung von Zwangsarbei- tern.Von Scham keine Spur über- schrieb taz-Kommentator Christian Semler bereits im Mai seinen Beitrag zum Vorschlag der Wirtschaftsstiftung den Anteil der mittlerweile privati- sierten ehemaligen Staatsunterneh- men für den Entschädigungsfonds

vom Anteil des Staates auf den der privaten Wirtschaft umzulegen. Hier- zu Semlers Kommentar:Kollektive Scham setzt Kollektives Erinnerungs- vermõgen voraus Beim Gros der deut- Schen Unternehmer heginnt die Hir- mengeschichte beim Auferstunden aus Ruinen, beim Wirtschaftswunden das selbstverstũndlich sie hewirit haben. Weil das so ist Moßen alle Hakten auf raube Ohren, die den Anteil der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltrieges am deuschen Wiederauft stieg nach 1945 helegen. Das morali- Sche Minimum verfũngt nicht. Es he- stünde in dem Argument, wenn ihr euch Schon nicht für das Handeln eurer Väter und Großväter verantwortlich fiinlt, dann entrichtet wenigstens einen geringen Abschlag auf die Quellen eu- res eigenen Reichtums.

Die ganze Entschädigungsdebatte hat von seiten der Wirtschaftetwas Kaltes, Erledigendes, Festhaltendes sagte Lotar Evers von dem in Köln ansãssigen Bundesverband Informati- on und Beratung für NSVerfolgte Ende April bei einer Podiumsdiskus- sion in Friedberg(Wetteraukreis). Der Berichterstatter der Frankfurter Rundschau erinnerte in diesem Zu- sammenhang daran, unter welch ein- deutig ökonomischen Aspekten Hans-Olaf Henkel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen In- dustrie, die Firmen zur Einzahlung in