Heft 
(2000) 1/2000. August 2000
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15

Schrecken von Auschwitz sind im in- ternationalen Sprachgebrauch zum Synonym für Unmenschlichkeit ge- worden, heißt es abschließend in dem Enzyklopãdie-Artikel.

Primo Levi, Elie Wiesel, Ruth Klü- ger, Tadeus? Borowski, Wieslaw Kie- lar, Fania Fenelon sind die hierzulande wohl bekanntesten Namen von Uber- lebenden des Holocaust, deren schmerzlichen Erinnerungen das Wis- sen und die Literatur über den millio- nenfachen Völkermord des Deut- schen Reiches an Juden, Roma und Sinti sowie den ebenfalls zu Unter- menschen stigmatisierten slawischen Võlkern vor allem Polen und Russen bestimmt haben. Zusammen mit Bei- spielen weniger bekannter Autorin- nen und Autoren(insgesamt 18 Beitrãge) bilden sie den Hauptteil der Reclam-Sammlung. Es wurden Text- auszüge ausgewählt, diedie unein- heitlichen Häftlingsgruppen berück- sichtigen, die von verschiedenen Zeiten des Lagers berichten, die die uneinheitlichenLebensBedingun- gen von Männern und Frauen reflek- tieren und die drei großen Teile des Lagerkomplexes Auschwitz auf unein- heitliche Weise interpretieren: Ausch- witz I-Stammlager, Auschwitz II-Bir- kenau und Auschwitz III- Monowitz.

Ergänzt werden die Berichte der überlebenden Hãäftlinge durch Nie- derschriften von zwei Tätern(Aussa- gen des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Hõss und Tagebuchnotizen des SSArztes Johann Kremer). Denn den Opfern gebührt ohne Zweifel unser Mitgefühl, aberden Verbrechern ge- bührt unsere Aufmerksamkeit, damit

wir Bescheid wissen-zur Mahnung, so Hanna Krall, die polnische Schrift- stellerin, die wie keine zweite die Schicksale der Opfer und dieLeer- stellen, die die Toten hinterlassen ha- ben, in ihren Büchern beschrieben hat.

Der 232 Seiten starke Reclam- Band wird abgerundet durch ein hilf- reiches Glossar zu Begriffen des La- gersystems und des Lageralltags sowie von Arbeitsvorschlägen, wie die Texte im Unterricht- auch fächerübergrei- fend, wie Feuchert betont eingesetzt werden kõönnen(Sie wurden so ausge- wählt, dass sie ab dem 9. Schuljahr Ver- wendung finden kõnnen). Ubersicht- lich ist zudem das Quellen- und Literaturverzeichnis, das auch einige nützliche Hinweise für die Recherche im Internet umfaßt.

Herausgeber Sascha Feuchert be- gründet die Notwendigkeit der Be- schäftigung mit Auschwitz und dem Holocaust mit einem Hinweis auf den Soziologen Wolfgang Sofsky. Für Sofs- ky ist grundsätzlich alles, was Men- schen sich gegenseitig antun und von- einander erleiden, verstehbar.Wo man sich hinter der Rede von der Un- verstehbarkeit beziehungsweise Un- vorstellbarkeit versteckt, da will man nicht verstehen, fasst Sascha Feu- chert die Schlußfolgerungen Sofskys Sowie das Anliegen seines Buches zu- sammen.

Hans Hirschmann

Holocaust-Literatur: Auschwitz; hrsg. v. Sascha Feuchert; Reclam Ver- lag, Stuttgart 2000; ISBN3-15-015047 7; 10 DM.