Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
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1955/56 Wojwodschaftsgesundheitslei- ter in Krakau, 1956 bis 1958 Chefarzt einer gynäkologischen Abteilung da- selbst, ab 1961 Direktor der Gemein- Schaftsmedizin und ab 1980 Vorsitzen- der des Roten Kreuzes im Bereich Krakau. Kontakte mit dem Deutschen Roten Kreuz pflegte er duch seinen Freund Dr. Ostermüller aus Augsburg. Seine Verdienste brachten ihm viele polnische Auszeichnungen ein, zuletzt die Professur.
Ich selbst lernte Henryk Matusze- wski 1985 anläßlich eines Besuchs bei Familie Reineck zusammen mit sei- nem Sohn Andrzej und einigen ehe- maligen Auschwitzern kennen. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, vor allem auch mit An- drzej und dessen Frau Marzena. Un- vergeßlich ist mir ein Urlaub mit ihm, seiner Frau Ziuta und der Familie des Sohnes in ihrem gemeinsamen Ferien-
haus im Lubon-Gebirge. Vor drei Jah- ren traf Henryk Matuszewski und sei- ne Angehörigen mit dem plõtzlichen Tod seines einzigen Sohnes ein Schicksalschlag, den er nie mehr ver- winden konnte und der seinem Le- bens abend viel an Hoffnung, Zuver- sicht und Kraft nahm.
Uns bleibt die Erinnerung an ei- nen liebenswerten, in seiner menschli- chen Größe bescheidenen und über- zeugenden Gesprächspartner, Ka- meraden und Freund auch der Dank, dass wir ihm begegnen, ihn schätzen und lieben durften.
Seiner Frau Ziuta, der Schwieger- tochter Marzena und den Enkelkin- dern Monika und Dagmar gilt unser Mitgefühl. Ihnen wünschen wir Irost, Zuversicht und Kraft in ihrer Trauer wie auf ihrem weiteren Lebensweg.
Gerhard Herr
Leserbrief des ehemaligen Buna-Häftlings Imo Moszkowicz zu Artikel über die Sonderkommandos(MB 1 /1999)
„Bestürzend und herzbeklem- mend ist der Bericht„Stimmen aus dem Herz der Finsternis'“. Die so sehr differenten Ausserungen dazu, zeigen mir nur allzu deutlich, dass es nahezu unmöglich scheint, für das Verhalten von Hãftlingen eine gültige morali- sche Kategorie zu benennen; nicht für den reflektierenden Aussenstehenden noch für den Betroffenen. Das quãlen- de Elend und der stãndig lauernde Tod erlaubten keinerlei Moral! Das scheint kaum begreiflich, soll auch
Untaten nicht rechtfertigen, aber das Recht, über Sonderkommandos den Stab zu brechen, hat meines Erachtens niemand.
Für alles ist ausschließlich das 3. Reich in Verantwortung zu nehmen, nicht der Gemarterte. Unterm Galgen oder auf's Rad geflochten oder jegli- cher Ehre beraubt, sind alle Ernied- rigten dieser Erde, die den Macht- zwängen ausgesetzt waren, nicht mehr entscheidungsfrei; wer weiß dies bes- ser als ehemalige Häftlinge.“


