10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
In memoriam Henryk Matuszewski
Der Auschwitz-Hãäftling Nr. 5860 starb im Alter von 77 Jahren
Mit großer Trauer mussten wir von unserem langjährigen Freund und Wegbegleiter Prof. Dr. med. Henryk Gracian Matuszewski Abschied neh- men, der am 4. Mai im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Seit Gründung der Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer durch seinen Freund Hermann Reineck im Jahre 1970 gehörte er zu den ehemali- gen Auschwitzern, die unsere Studien- fahrtgruppen bei ihren Besuchen im Lager, in Krakau und bei Gesprächen mit Ehemaligen im Krakauer Klub der chemaligen KZHäftlinge begleitet haben. Noch Ende April hatte er sich mit einer Vorstandsdelegation der La- gergemeinschaft getroffen.
Henryk Matuszewski wurde am 16. Juni 1922 in Bydgoszcz(Bromberg) geboren, wo er bis zu seinem 18. Le- bensjahr die Oberschule/Gymnasium besuchte. Um nach der Okkupation seiner Heimat einer drohenden Ver- haftung durch die deutschen Besatzer zu entgehen, plante er, über Ungarn nach Frankreich zu flüchten. Unter dem Tarnnamen Heinrich Krüger wur- de er aber bei diesem Versuch am 26. April 1940 kurz vor der ungarischen Grenze verhaftet, nach Tarnow ver- bracht und von dort am 10. Oktober 1940 in das KZ Auschwitz deportiert, wo er die Hãftlingsnummer 5860 er- hielt. Bis zum Ende des Krieges sollte er die Freiheit nicht mehr erleben.
Im Lager arbeitete er in verschie- denen Kommandos: im Bauhof, in den
Henryk Matuszewski wenige Tage vor sei- nem Tod beim Treffen mit Vorstandsmit- gliedern der Lagermeinschaft in Krakau.
Bunawerken und den PAW(Deut- sche Ausrüstungswerke). Den tägli- chen Tod und Mord vor Augen über- lebte er Fleckfie ber, Lungenentzün- dung und lebensbedrohenden Durch- fall, ebenso wie zwölf Tage in der Höl- le des Stehbunkers im Todesblock 11.
Am 28. Oktober 1944 wurde er- wie es in der verharmlosenden, Nor G malabläufe vortäãuschenden Bürokra- tensprache der„Herrenmenschen“ hieß nach Leitmeritz, einem Neben- lager des KZ Flossenbürg„überstellt“, wo er bei Kriegsende von den Alliier- ten befreit wurde.
Nach dem Krieg studierte Henryk Matus?ewski Medizin und wurde 1951 in Krakau promoviert. Er verfügte über ein enormes Organisationstalent, was ihm eine Reihe von Führungs- funktionen einbrachte. So war er


