Heft 
(2000) 1/2000. August 2000
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9

Jahre in den Konzentrationslagern und meine körperliche Behinderung haben aber meine frühzeitige Rente zur Folge gehabt. Seit Anfang 1997 bin ich teilweise gelähmt.

Stanislaw Smialek

Stanislaw Smialek wurde am 13. August 1918 in Kalwaria Zebrzydows- ka geboren. Er hatte einen Bruder, der im letzten Augenblick 1939 nach Eng- land emigrierte und erst 1992 nach Po- len zurückkam, um in Karkau zu ster- ben.

Stanislaw Smialek wurde bei der StraßenaktionSchwarzer Sonntag in Krakau verhaftet. Uber Montelu- pich, Plasow, Flossenbürg wurde er dann zum Kommando Langefled als politischer Gefangener unter der Nummer 27.671 geführt, wo er bis zur Befreiung ausharren musste. Stanislaw Smialek war nach dem Krieg verheira- tet. Die Ehe war kinderlos, er ist heu- te seit acht Jahren Witwer.

Dies ist der offizielle Teil, den ich dem Freund entlocken konnte. Ich kenne aber die Fotoalben und eigene Geschichten, die er mir erzählte erst- mals unter dem Versprechen der Ver- schwiegenheit, denn er lebt bis heute völlig isoliert und immer wieder in großen Angstzuständen.

Beide Brüder waren mit Jüdinnen verlobt, was auch die Emigration des Bruders 1939 erklärlich macht. Von beiden Frauen gibt es viele Bilder in Familienalben und viele traurige Ge- schichten.

Die jüdischen Freundinnen der

beiden Brüder waren gleich ums Le- ben gekommen(Sprich ermordet wor- den). Stanislaw Smialek wurdeKZ- Tourist- wie er es 2ynisch nennt-, denn er musste fünf Konzentrations- lager erleben.

Heute ist Stzanislaw Smialek schwer krank. Als er ins Krankenhaus kam, stellte sich erst nach langer in- tensiver Behandlung eine Besserung ein. Aber plötzlich war alles von ei- nem Jag auf den anderen verdreht. Er befand sich im Delirium, schlug um sich und in seiner Not rief der Profes- Sor mich an, weil er medizinisch keine Gründe für die Verwandlung sah. Ich fuhr umgehend in die Klinik und überlegte, was passiert sein konnte. Und dort sah ich: er war in ein ande- res Zimmer gelegt worden und der Tropf, der an einer Stahlstange hing, stand an der rechten Seite. Ich ahnte, dass es etwas mit den medizinischen Experimenten im KZ 2Zu tun haben könnte, dass er damals mit einer Me- tallstange von rechts geschlagen wur- de, wenn er die Versuchsmedikamen- te nicht einnehmen wollte. Ich bat den Arzt, den Versuch zu machen, das Bett raus?zuschieben, auf dem Flur zu dre- hen und in dasselbe Zimmer wieder zurückzufahren, nur das Bett auf die andere Seite zu stellen. Ich blieb eine gute Stunde am Bett sitzen, unser Pa- tient fiel in einen ruhigen Schlaf- das Problem war gelõst.

Das kann kaum ein Arzt oder eine Krankenschwester leisten und auch bei mir war es ein reiner Zufall, da ich seine Geschichte so gut kannte und er auch bei der Pflege immer auf der rechten Seite reagiert.