Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Ein Auschwitzer und eine Ravensbrückerin berichten:
Zwei Weihnachten
Adventszeit- Weihnachten. In Deutschland das Fest schlechthin, das von den Menschen gefeiert wird, unab- hänging davon, ob sie religiõs sind oder nicht. Man schenkt und läßt sich be- schenken. Hermann Reineck, Auschwitz- Häftling und Gründer unseres Vereins Lagergemeinschaft Auschwitz- Freun- deskreis der Auschwitzer, hat nach seiner Befreiung aus dem KZ nur einmal unbe- fangen Weihnachten gefeiert. Das war 1945 als„endlich frei von all dem Druck“ diese Gefühl der Freiheit alles andere überwog, wie er in einem Interview für den wdr es einmal formulierte. Bereits Weihnachten 1946 und alle darauffolgen- den Jahre war ihm das Fest jedoch ein Greuel, denn stets war ihm die Brinne- rung an Weihnachten 1942„lebendig“ vor Augen. Damals ließ die SS in Ausch- witz die Hãftlinge unter einem großen be⸗ leuchteten Weihnachtsbaum zum Appell antreten. Die Schwächsten- die Musel- männer- wurden, sofern sie nicht mehr stehen konnten, bei Minus 34 Grad unter den Baum gelegt. Die S8 befahl, sie mit Wasser zu übergießen, s0 dass sie in Eis- blõcke eingefroren starben.„Und außer diesem Weihnachten 1945, weil das eben diese Lõsung von diesem ungeheueren Druck wan habe ich eigentlich Weih- nachten nie mehr als Schönen Feiertag empfunden. Jch Kann veidem Weihnach- ten nicht mehr feiern, wie das andere ma- chen, das geht nicht mehr“, so Hermann in einem WDRInterview 1985.
Ganz anders ging es Lieselotte Thumser-Weil, KZHäftling in Ravens-
brück und bis zu ihrem Tod 1995 Vor- standsmitglied der Lagergemeinschaft. Sie erlebte ihr„Schönstes Weihnachten“ 1944 im KZ.„Es gab Schon nichts mehr Zlu esen, die Fenster waren Kaputt.(..) In diesem heillosen Duncheinander hat man geleht wie die Nere... Plõrlich, es warm Schon dunkle Nacht, Kamen drei Ho0 in Rupfensdicken und mit einer Kerze und Sie Sangen auf russisch Weihnachtslieder mit v0 viel Krufi. Iœh habe in meiner Ba- racke gekniet und nur nach ihren Gesich- rern geguckt.. Zehn Minuten herrliche Kldnge, wunderschn. Uherall Zer- örung, alles Kaputt, überall Elend Du Selhot hist ausgehungert. Da Stehen nun drei Menschen und hringen Dir eine Freude Wenn die drei Frauen heim Klauen des Rupfensackes erwischt wor- den wären, wren vie erschossen woyden, wenn vie erwischt worden wdren, wie sie die Kerze beschaßft haben, wren sie er- Schossen worden, wenn sie nach zehn Uhr aufder Lagerstraße erwischt worden wiren, wliren vie erschosen worden oder mindestens in den Bunker gekommen..
Joh hahe Spdter mit meinen KndeD Weihnachten gefeiert. Aber das ist Scha- hlone geblieben. Das wur mein Schöhnstes Weihnachten und ich trũume heute noch davon. Und wenn ich vor dem Christ- haum bei meiner Vochter stehe, dann se- he ich nicht den Baum, vondern meine drei Russinnen. Ioh weiß his heute nicht. wer sie wuren. Kein Mensch weiß es“ Un- terview, November Ausgabe 1993; In- formationen', Hg. Studienkreis Deutscher Widerstand, Rossertstr.9, Frankfurt/ M.).


