.
Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5
dass er die Liebe zu den Menschen nicht verloren oder vielleicht besser gesagt wieder gewonnen hat und sich differen- ziert der Frage von Schuld nähert. Dra- stisch die Schuld der Täter benennt, aber auch den Blick nicht verloren hat für- wie er sagt„gute SS“, die nicht schlägt und mordet, mitunter sogar hilft. Sehr genau auch das Verhalten der Häftlinge unter- einander beobachtet und bewertet.
Im September diesen Jahres haben Karin Graf und Tina Henkel aus Hanno- ver eine Frauenfahrt nach Auschwitz ge- leitet. Hier haben nicht nur im übrigen viele junge- Frauen teilgenommen, son- dern Frauen haben auch von den inhaltli- chen Schwerpunkten her die Hauptrolle gespielt. Und zwar Frauen als Opfer, Frauen als Ehefrauen von SSMännern und Frauen als Täterinnen. Diese- ver- mutlich bundesweit einmalige- Studien- reise nach Auschwitz-Birkenau näherte sich dem Phänomen Auschwitz auf den Spuren von Frauen. Nach aufwendiger Sichtung von deutscher und amerikani- scher Literatur, Romanen, Biografien und Sachbüchern wurde ein umfangreiches Programm erstellt. Inhaltlich getragen wurde es vor allem durch Tina Henkel, die sich in ihrer Magisterarbeit mit dem weiblichen Hafterleben in Auschwitz be- fasste.
In Analogie zu den guten Erfahrungen mit den Führungen mit Stanislaw Hantz haben Karin Graf und Tina Henkel auch bei dieser Fahrt, den authentischen Orten die authentischen Ereignisse zugeordnet. Uber medizinische Versuche wurde ge- nau dort erzãhlt, wo sie stattfanden. Uber das Leben des berüchtigten SSSchergen Palitzsch und seiner Familie wurde an
seinem Haus in Oswiecim berichtet. Ob eine solche Fahrt noch einmal von der Ka- gergemeinschaft angeboten wird, ist in erster Linie vom Interesse abhängig.
Ein besonderes Erlebnis für alle drei Reisegruppen waren die Begegnungen mit ehemaligen Häftlingen in den deut- schen Konzentrationslagern- Frauen wie Männern im Krakauer Club, dem Treff- punkt der ehemaligen KZInhaftierten. Dank der guten und jahrelang gepflegten Kontakte der Lagergemeinschaft Ausch- wit?- Freundeskreis der Auschwitzer sind von uns betreute Gruppen immer wieder gern gesehener Besuch. Diese Treffen finden in außerordentlicher Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Of- fenheit statt. Beeindruckend sind die Er- zählungen der Ehemaligen über ihre In- haftierung und ihre„Strategien“ des Weiterlebens nach der Befreiung. Lebhaft sind auch immer die Diskussionen über ihre Verhältnis zu den Deutschen, ihre Finschätzungen über den Neonazismus und Antisemitismus in Deutschland so- wie die unterschiedlichen Auffassungen über den virulenten polnischen Antisemi- tismus. Sehr beeindruckend für viele deutsche Reiseteilnehmer ist es sicher- lich, dass diese Menschen, die Auschwitz überlebt haben, die ihr Uberleben über- lebt haben, so offen und unvoreingenom- men den Nachkommen der Tätergenera- tion gegenüber treten. Dies ist sicherlich ein großes Verdienst vor allem von Her- mann und Anni Reineck, die jahrzente- lang als treibende Motoren der Lagerge- meinschaft sich um die Probleme ehemaliger polnischer Häftlinge geküm- mert und versucht haben, so viel als mõg- lich zu helfen.


