Heft 
(1999) 2/1999. Dezember 1999
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Die Studienfahrten nach Auschwitz während der Jahre 1998 und 1999

Das Beeindruckenste ist die Wahrhaftigkeit

und Offenheit der ehemaligen Häftlinge

In den Jahren 1998 und 1990 hat die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundes- kreis der Auschwitzer insgesamt drei Stu- dienfahrten nach Polen mit dem Schwer- punkt ehemaliges Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angeboten und durchgeführt. Diese Bil- dungsreisen wurden von Karin Graf kon- zeptionell erarbeitet, vorbereitet und be gleitet.

Die letzte Fahrt im September diesen Jahres war eine reine Frauenfahrt mit ent- Sprechend spezifischen Schwerpunkten. An den beiden Fahrten an Ostern 1998 und Ostern 1999 haben um die dreißig Personen teilgenommen, die vor allem aus dem sůũdhessischen Raum kamen. Die beiden Reisegruppen waren jeweils recht heterogen zusammengesetzt, Sowohl was die Berufe als auch was das Alter angeht einmal reichte die Alterspanne von 14 bis über 70 Jahre und einmal von 14 bis über 50 Jahre. Trotz dieser Altersunter- schiede, der unterschiedlichen Kenntnis- se und Erwartungen- oder vielleicht auch gerade deswegen sind diese Reisen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in beeindruckender Weise verlaufen, sind für sie zueinem bleibenden Wert ge- worden, wie es einmai bei einem nachbe- arbeitenden Treffen formuliert wurde Er- staunlich viele der vorher nicht bekannten Reisegenossen halten immer noch Kon- takt miteinander.

Dies liegt sicher nicht zuletzt an Sta-

nislaw(Stas?ek) Hantz. Der ehemalige Auschwitzhäftling, der fünf Jahre in KZ- Haft war, begleitete die Gruppen und war als Zeit?euge mit seiner Geduld und sei nem großen Finfühlungsvermögen 0 Gruppen- und auch Finzelgespräche ein viel in Anspruch genommener Gesprächs- partner. Wie seinerzeit Hermann Reineck vermittelte er ein großes Maß an Authenti- Zität.

Mit seiner Vitalität, seinem Wissen, seiner Lebensklugheit und nicht zuletzt mit seinem Charme und Witz verstand es Stas?zek mit Leichtigkeit, die Menschen sehr schnell in seinen Bann zu ziehen. Ohne eine erdrückende Trauer zu ver- breiten, ohne erdrückende Schuldgefühle auszulõsen, gestattet er es den Jugendli- che wie den erwachsenen Frauen und Mãnnern auf einer ebenso Sachlichen wie emotionalen Ebene an seinen damaligen leidvollen Erfahrungen wie den daraus sich ergebenden Folgen für sein weiteres Leben Anteil zu nehmen. Mit ihm zusam men wurden jene Plãtze in der heutigen Gedenkstãtte besucht, mit den er damals wichtige Erlebnisse verbindet und die er an diesen authentischen Orten erzählt. So wird der museale Charakter der Gedenk- stätte mit konkretem Leben gefüllt, die Orte mit Worten erfühlt. Natürlich sind diese Reisen traurig und ergreifend doch wird auch viel gelacht. Beeindruckend wird vor allem die Wahrhaftigkeit von Stanislaw Hantz empfunden, und auch.