Heft 
(1999) 1/1999. August 1999
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31

Auschwitz-Stiftung Budapest

Von Szabolcs Szita und Clemens Prinz

Die Ungarische Auschwitz Stiftung wurde 1990 von einer Bürgerinitiative gegründet, um eine umfassende wis- senschaftliche Erforschung der Statio- nen des ungarischen Holocaust durch das ihr unterstehende Holocaust Doku- mentations?entrum(HDK) zu verwirk- lichen. Die Stiftung wird durch ein Ku- O iun unter dem Vorsitz von PDr. Tibor Vãmos geleitet.

Die Arbeitsschwerpunkte des(HDK), das unter der geschäftlichen Leitung von Gãbor Verõ und der wissenschaft- lichen Leitung von Szabolcs Szita steht, liegen auf:

* der zwischen 1938 und 1945 aus re- ligiösen, ethnischen und politischen Gründen betriebenen Menschenjagd,

* den Freignissen in den Ghettos, während der Deportationen und in den Konzentrationslagern,

* der Zwangsarbeit als eigene Form der ungarischen Judenverfolgung und jeglichen anderen Formen vonAr- beitsdiensten,

* versuchten und erfolgreichen Menschenrettungen als konkrete Form ungarischen Widerstandes während des Krieges,

* der pädagogischen Vermittlung Oe Holocaust in Schulen,

* dem geistigen Kampf gegen Intole- ranz und Neonazismus.

Zu den wichtigsten Aufgaben der sieben Mitarbeiter des HDK, unter ih- nen ein österreichischer Zivilersatz- dienstleistender, gehören die Samm- lung, Archivierung und wissenschaftli- che Aufarbeitung von Dokumenten und anderen Quellenmaterialien. Dabei wird den erwähnten Menschenrettun- gen größtes Augenmerk geschenkt. Im- mer wieder gehen wir Gerüchten über selbstaufopfernde Aktivitäten einzel- ner Personen nach. Diese Dossiers wer- den nach Vad Vashem weitergeleitet.

Auf unseren Vorschlag hin sind mehre- re Ungarn mit dem TitelGerechter der Welt' ausgezeichnet worden.

Die Weiterentwicklung unserer Fachbibliothek ist nicht zuletzt durch Geld- und Platzmangel ins Stocken ge raten. Monatlich berichten wir in ei- nem Informationsblatt, das wir auch an Zahlreiche ausländische Wissenschaft- ler versenden, über den Stand unserer Arbeiten. Mindestens zweimal jährlich erscheinen die Holocaust-Hefte, die als Forum der ungarischen Holocaustfor- schung fungieren und jungen Wissen- schaftlern die Möglichkeit zur Publika- tion bieten. Die nicht nur darin, son dern auch in in- und ausländischen Fachzeitschriften veröffentlichten, un- ter der Obhut des HDK entstandenen wissenschaftlichen Arbeiten reichen von Untersuchungen der Folgen der rassischen Gesetzesbeschlüsse und Ras- senschutzpropaganda, den Deportatio- nen, Ermordungen von Juden und poli- tischen Gegnern bis zum Schicksal des Zigeunertums, und dessen eigener Ver- gangenheitsbewältigung.

In ihrer Menschlichkeit haben einige unerschütterliche Ungarn versucht, die in Lebensgefahr geratenen Opfer des Nationalsozialismus zZu retten. Eine der Aufgaben der HDK ist die Erinnerung an diese edlen Taten. Besondere Beto- nung findet in unserer Arbeit deshalb die Dokumentation der Selbstrettungs- maßnahmen der ungarischen Juden, der Rettung durch Soldaten, Kirchen, einzelne Regierungsmitglieder und lo kale Behörden sowie Versuche auslän- discher Diplomaten, ihren Status zur Menschenrettung zu verwenden.

Das HDK sammelt und veröffent- licht kontinuierlich Listen über die Opfer der Zwangsarbeit, Interviews mit Uberlebenden der Todes- und Ar- beitslager und schriftliche Memoiren.