8 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Nazigewalt mit dem Aufruf beginnen:
MACHT ENDLICH SCHLUSS MIT DEM MORDEN IN DIESER WELT!
Schon die schreckliche Tatsache al- lein, dass ich meine Mutter und meine sechs Geschwister durch Nazimörder verlor, legitimiert mich, einen Aufruf folgenden Inhalts zu formulieren„Um nicht als tatenlos Zusehende mitschul- dig zu werden, fordern wir Uberlebtha- benden der Konzentrationslager im Namen von Millionen Hingemordeten die sich Bekämpfenden in Irland, im Kosovo, im Nahen Osten, in Afrika und wo immer auch sonst in dieser weiten Welt, auf, dem Töten ein Ende zu set- zen. Und gleichermassen fordern wir die Personen, Gruppen oder Staaten, die in der Lage sind, mit ihrer Macht Einfluss zu nehmen, auf, dieses Töten nicht länger mehr zuzulassen oder für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.“
Mit diesem Entwurf zu einem Auf- ruf wollte ich eigentlich meine Rede beenden, würde nicht der uns alle fas- sungslos machende Umgang mit dem geplanten Mahnmal in Berlin meinen
Zorn hervorrufen: Baut auf dem Berli- ner Areal, das doch der Mahnung zuge- dacht ist, die Mordstätte nach! Baut eine der vielen Gaskammern nach und stellt einen Verbrennungsofen auf! Zeigt einen dieser Orte der unbegreifli- chen Schrecklichkeit in seiner ganzen abstossenden Grässlichkeit, und über- tüncht das bittere Gleichnis nicht mit schönender Asthetik! Beschreibt auf Tafeln den Mordvorgang mit den hier
zitierten lapidaren Worten und 9 1
sie statt feierlicher Reden, nachdem ih an offiziellen Gedenktagen mit euren Ehrengästen die gleiche Anzahl Stufen herabgeschritten seid, die andernorts in die Gaskammer führten.
Hätte ich nicht als Buna-Häftling 104998 das Beten verlernt, käme mir jetzt in den Sinn Gott anzurufen, dass er uns allen einen Lebensabend lässt, der nicht zu brutal von den Schatten der Vergangenheit überdeckt ist. So aber bleibt mir nur, Euch zum Ab- schied jenen Gruss zuzurufen, der für diese Welt immer eine menschliche Zu- kunft bereithält, den Gruss voller Hoffnung: Schalom!
Imo Moszkowic?z
Das Wiedersehen der ehemaligen Buna-Häftlinge war frag-
los der Hauptzweck des Treffens, aber in den beiden kolgen den Tagen nach der Begrüßung fanden auch Begegnunge der Uberlebenden mit Jugendlichen statt. Darüberhinaus umfasste das Programm Lesungen von Zeitzeugenberichten und Häftlingserinnerungen sowie Vorträge und Diskussionen mit Wissenschaftlern zum Thema I6 Auschwitz(In der Aus- gabe Nr. 16, Frühjahr 1999, der„Newsletter“ hat das Fritz- Bauer-Institut darüber berichtet. Das Heft ist zu beziehen bei: Frit? Bauer Institut, Rheinstraße 29 in 60325 Frankfurt am Main, Tel.: 069/ 9758110, Fax: 069/ 97581 190). Wer an einem Pressespiegel zu dem Treffen interssiert ist, kann ihn kostenlos anfordern bei: Hans Hirschmann, Neue Straße 24 in 61118 Bad Vilbel, Fax: 06101/32599.
PS: Die Autobiographie des Auschwitz-Häftlings und spãte- ren Regisseurs und Schauspielers Imo Moszkowicz(„Der grauende Morgen') ist im Buchhandel erhältlich.


