Heft 
(1999) 1/1999. August 1999
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Im Marsch von Buna nach Liberec, zu jener Zeit also, als endlich, endlich Hitlerdeutschland die Vernichtung traf, verlor sich allerdings rasch wieder alle Hoffnung, lebend dem uns von den Nazis zugedachten Ende zu entrinnen. Fine Handvoll nur überlebte.

Durch Namensänderung und neuem Verwendungszweck dieser IG-Farben- Verwaltung hier wird- gewollt oder

6 gewollt- ihre menschenbeherr-

chende und menschenverachtende Po- sition in der Nazizeit, die unser aller Leben so schwer belastet, vor der Histo- rie verschleiert. Dieser Vorgang ist ein Symptom im Umgang mit dem Holo- caust, das seine besondere Bedeutung dadurch erhält, wenn man sich das gleichzeitige, unerträgliche Gezerre um das Berliner Mahnmal vergegen- wärtigt, mit dem das Grauen ästhetisch domestiziert werden soll.

So drängt sich in den Anlass, uns hier wieder zu begegnen, der morali-

sche Zwang, ungeschönt vor aller Gf- fentlichkeit, von den letzten Momenten der Wegggemordeten zu berichten und die unerhörte Grausamkeit dieses un- begreiflichen Verbrechens mit dem ge- sprochenen Wort aufzuzeigen. Wir sind in der Stadt, in der der Auschwitz- proZess stattfand. Aus den Aussagen der Kläger und auch der Beklagten hat der Dichter Peter Weiss, der als Beob- achter an diesem Prozess teilnahm, sein BühnenstückDie Ermittlung ge- schrieben; einen Teil nennt erGesang von den Feuerõfen?.

Da die Hingemordeten nicht berich- ten können, wie sie umgekommen sind, borge ich mir vom Dichter die Worte, die er im Gerichtssaal notierte. Und so schwer es mir fallen wird, mit meiner Stimme stellvertretend Zeugnis abzule- gen von jener Ungeheuerlichkeit, so schwer wird wohl das Zuhören sein, wenn die Brinnerung erneut und un mittelbar mit den Bildern gnadenloser Unmenschlichkeit konfrontiert wird.

Gesang von den Feueröfen

Die Menschen kamen in Fünferreihen von der Rampe ins Krematorium Rechts und links waren ein paar Wasser- hähne auf den Grasflächen

ft drängten sich die Menschen darum und das Kommando liess sie noch trinken, trieb sie aber zur Eile an 1000 bis 2000 Menschen wurden auf einmal hinabgeführt Nie brach Panik aus zwischen den vielen Menschen im engen Raum es ging alles sehr schnell und effektiv das Kommando zum Ausziehen wurde gegeben und während die Menschen sich noch ratlos umsahen half das Sonderkommando ihnen schon beim Abnehmen der Kleider Nie musste Gewalt angewendet werden

Wenn 1000 und mehr Menschen

in einem Raum zusammengedrängt waren wurde eine dicke Eichentür

mit einem Guckloch

und einem Radgriff versehen zugeschraubt

Die Sanitäter gingen zu den 4 Luken setzten ihre Gasmasken auf

und entleerten 3 bis 4 Büchsen.

Das dauerte etwa eine Minute

Dann kam das Ersticken

als das Gas eingeworfen wurde

Die Sanitäter konnten hören

was unten in den Kammern geschah wartend rauchten sie eine Zigarette sich die Beine vertretend

Die Menschen schrien jetzt

und schlugen an die Tür

und kletterten an den Säulen hoch Aus Ersparnisgründen wurde meist nicht genügend Gas eingeworfen

80 dass die Tötung

bis zu fünf Minuten dauern konnte