Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Im Marsch von Buna nach Liberec, zu jener Zeit also, als endlich, endlich Hitlerdeutschland die Vernichtung traf, verlor sich allerdings rasch wieder alle Hoffnung, lebend dem uns von den Nazis zugedachten Ende zu entrinnen. Fine Handvoll nur überlebte.
Durch Namensänderung und neuem Verwendungszweck dieser IG-Farben- Verwaltung hier wird- gewollt oder
6 gewollt- ihre menschenbeherr-
chende und menschenverachtende Po- sition in der Nazizeit, die unser aller Leben so schwer belastet, vor der Histo- rie verschleiert. Dieser Vorgang ist ein Symptom im Umgang mit dem Holo- caust, das seine besondere Bedeutung dadurch erhält, wenn man sich das gleichzeitige, unerträgliche Gezerre um das Berliner Mahnmal vergegen- wärtigt, mit dem das Grauen ästhetisch domestiziert werden soll.
So drängt sich in den Anlass, uns hier wieder zu begegnen, der morali-
sche Zwang, ungeschönt vor aller Gf- fentlichkeit, von den letzten Momenten der Wegggemordeten zu berichten und die unerhörte Grausamkeit dieses un- begreiflichen Verbrechens mit dem ge- sprochenen Wort aufzuzeigen. Wir sind in der Stadt, in der der Auschwitz- proZess stattfand. Aus den Aussagen der Kläger und auch der Beklagten hat der Dichter Peter Weiss, der als Beob- achter an diesem Prozess teilnahm, sein Bühnenstück„Die Ermittlung“ ge- schrieben; einen Teil nennt er„Gesang von den Feuerõfen?.
Da die Hingemordeten nicht berich- ten können, wie sie umgekommen sind, borge ich mir vom Dichter die Worte, die er im Gerichtssaal notierte. Und so schwer es mir fallen wird, mit meiner Stimme stellvertretend Zeugnis abzule- gen von jener Ungeheuerlichkeit, so schwer wird wohl das Zuhören sein, wenn die Brinnerung erneut und un— mittelbar mit den Bildern gnadenloser Unmenschlichkeit konfrontiert wird.
Gesang von den Feueröfen
Die Menschen kamen in Fünferreihen von der Rampe ins Krematorium Rechts und links waren ein paar Wasser- hähne auf den Grasflächen
ft drängten sich die Menschen darum und das Kommando liess sie noch trinken, trieb sie aber zur Eile an 1000 bis 2000 Menschen wurden auf einmal hinabgeführt Nie brach Panik aus zwischen den vielen Menschen im engen Raum es ging alles sehr schnell und effektiv das Kommando zum Ausziehen wurde gegeben und während die Menschen sich noch ratlos umsahen half das Sonderkommando ihnen schon beim Abnehmen der Kleider Nie musste Gewalt angewendet werden
Wenn 1000 und mehr Menschen
in einem Raum zusammengedrängt waren wurde eine dicke Eichentür
mit einem Guckloch
und einem Radgriff versehen zugeschraubt
Die Sanitäter gingen zu den 4 Luken setzten ihre Gasmasken auf
und entleerten 3 bis 4 Büchsen.
Das dauerte etwa eine Minute
Dann kam das Ersticken
als das Gas eingeworfen wurde
Die Sanitäter konnten hören
was unten in den Kammern geschah wartend rauchten sie eine Zigarette sich die Beine vertretend
Die Menschen schrien jetzt
und schlugen an die Tür
und kletterten an den Säulen hoch Aus Ersparnisgründen wurde meist nicht genügend Gas eingeworfen
80 dass die Tötung
bis zu fünf Minuten dauern konnte


