Heft 
(1998) 2/1998. September 1998
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

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Spendenaufruf des Antifa-Cafés Kassel für Museum Wlodawa

Für einen Dokumentationsraum in Sobibor

Ein menschenleere Gegend mit viel Wald. Fünf Kilometer entfernt vom Bug, dem Grenzfluß zu Rußland. Opstpolen. Fine kleine Bahn- station mit dem Namen Söbibor. Eine Rampe. Endstation. Für 250.000 Menschen war Sobibor nicht nur eine Reise zu Ende. Wenige Stunden nach ihrer Ankunft war auch ihr Leben beendet. Sie waren nur aus einem einzigen Grund in diese abgelegene Gegend transportiert worden: zu ihrer Vernichtung. Sogenannte Selektionen, die Deportier-

Mhien die Möglichkeit bot durch Arbeit einige Monate zu überleben, gab

es nicht. Die Ankommenden lieferten ihre Wertsachen ab, mußten

sich ausziehen, wurden ermordert.

Auf einem Areal von 400 mal 600 Meter wurden von April 1942 bis Oktober 1943 eine viertel Million Männer, Frauen und Kinder durch das aus einem 200 PS-Motor strö- menden Kohlenmonoxid vergast.

Sobibor war ein Vernichtungsla- ger der Aktion Reinhard. 1941 be- gannen unter dem DecknamenAk- tion Reinhard' die Vorbereitungen zur Ermordung der zwei Millionen zweihundertvierundachtzigtausend (2.284.000) Jüdinnen und Juden, die damals in den fünf Distrikten des sogenannten Generalgouvernements lebten- hauptsächlich in Warschau, Lublin, Radom, Krakau und Lem- berg. Die Mordaktion bekam ihren Namen zum Gedenken an Reinhard Heie de ee der Endlösung, der im Mai 1942 nach einem Attentat gestorben war. Ne- ben Sobibor wurden im Verlauf der Aktion Reinhard' auch die Ver- nichtungslager Belzec und Treblinka errichtet. In Belzec wurden laut For- schungsergebnissen bis zu 600.000 in Treblinka mehr als 850.000 Juden und Jüdinnen ermordert. Zusam- men mit den Opfern von Sobibor wurden 1,7 Millionen Menschen im

Rahmen der Aktion Reinhard' ver- nichtet.

Am 14. Oktober 1943 wagten die Häftlinge von Sobibor einen Auf- stand, 300 konnten fliehen, davon überlebten bis zum Kriegsende 50. Nach dem Aufstand wurde das Ver- nichtungslager aufgelöst, alle Spu- ren des Geschehens beseitigt. Auf dem ehemaligen Lagergelände wur- de ein Bauernhof errichtet, der von einem Mitglied der Lagerwache be- wirtschaftet wurde.

Das Kalkül der deutschen Mörder, Gras und Getreide über ihrem Mas- Senmord wachsen zu lassen, ist nicht gänzlich unerfüllt geblieben. Wer kennt in Deutschland die Namen So- bibor, Belzec und Treblinka? Den Beweisen der Völkermorde in Au- Schwitz, berichtet und erzählt von Uberlebenden, mußte sich das Nachkriegsdeutschland wohl oder übel beugen. Andere Orte der Men- schenvernichtung und des Sterbens mit kaum noch Spuren und mit wenigen Zeugen sind bis heute s0 gut wie vergessen.

Im April 1908 besuchte eine Reise- gruppe des Antifa-Cafés Kassel die drei Vernichtungslager der'Aktion