Heft 
(1998) 2/1998. September 1998
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Auch was wird geschrieben in- cher weiß ich nicht, oh das alles ist wahr.

Zurück zum ersten Tag in Ausch- witz.»Wenn ich durch Vor gehe, werde ich hald wissen, sagt Stas- zek,'daß ich durch Arbeit nicht Frei werde vein. Hinter dem Tor, da Sind verschiedene SS-Leute. Wir Sehen Leute in Solche Anzüge. Ich denke, wir werden nicht hei Bauern oder in Fahrik arheiten, vielleicht ist das ein Zuchthaus. Jeder ist un- ruhig. Beim Appell gibt es wieder Schläge, sie werden rasiert, mit Häftlingskleidung ausgestattet, je- der erhält einen Zettel mit einer Nummer. Die 2049 für Staszek. Wie Messerschnitte blitzen die Worte: »Wenn ich hekomme Nummer, hin ich kein Mensch mehr, Lein Hantz, kein Stanislaw. Und dann erklä- rend zur Aufnahmeprozedur:'Pas war nicht einfach so vasieren und anziehen und S0 weiter, war alles mit Schikane. Dann hält uns der La- gerfiihrer Fritsch eine Kede, daß das hier ist kein Sanatorium, Son- dern ein deutsches Konzentrations- lager, ja deutsches, das ist wichtig, und daß wir nur durch den Schorn⸗ Srein vom Krematorium wieder rauskommen. Jch sehe, da laufen zwel mit Kiste, Schnell, dinn wie ein Streichholz, und ich denke, wie die laufen, S0 werde ich auch machen. Vielleicht Kann ich So leben. Jch muß leben. Ieh muß nachhause. In Anlehnung an die Befehlsformel'im Laufschritt, marsch, marsch, folgt heute auf das deutsche Wort'lau- fen', wo immer es fällt, unweigerlich Stas?eks'mdarsch, marsch

Abends im Block trösten sich die Neuzugänge gegenseitig mit Beteue- rungen über das bevorstehende En- de des Krieges, das ihre Hoffnung Spätestens für den nächsten Winter terminiert. Die Geschichte von der Aufnahme ins Konzentrationslager Auschwitz erzählt Staszek mit schwerer Stimme. Ja*, Sagt er,'das stimmt. Gehe ich als Knabe rein und komme ich raus, weiß ich viel. vielleicht ⁊u viel für ein Leben.?

Nur selten betritt er das Museums- gelände durch den Fingang, mei- stens benutzt er dazu den Museums- ausgang, ein kleines eisernes Tor ne- ben dem ehemaligen Aufnahmege- bäude, das nur von innen zu öffnen ist. Dort ruft er eine Besucherin oder einen Besucher und bittet, ihm den Ausgang zum Fintreten zu öff nen. Aufgeregt, mit kurzer Luft und lautem Ausatmen betritt er das Mu- seum, dessen Sujet sein Leben ist.

aus: Karin Graf. Zitronen aus Ka- nada(vgl. Innenseite von Titelblatt)