28 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
». und komme ich raus, weiß ich viel, vielleicht
zu viel für ein Leben'
Das Leben mit Auschwitz des Stanislaw Hantz- Die Verhaftung
Unüberhörbar klopft es an die Tür, irgendwann im Februar 1940. »Nachts um Zweie“ ist sofort klar, wer das ist. Die Polizei sucht Stanis- law Hantz, Staszeks Vater. Was die Häscher nicht wissen, der Vater war am 21. Dezember 1939 verstorben. Beteuerungen von Mutter und Sohn helfen nicht weiter.“Pas istegal, ob das der Vater ist oder der Sohn, Na- me und Vorname passen, Du kommst mit“, so erinnert sich Stas- zek an seine erste Verhaftung. Er ist siebzehn Jahre alt. In derselben Nacht ist er einer von hundert Fest- genommenen in Warszawa, die zwi- schen Gewehren in Fünferreihen zum Gefängnis marschieren. Weil auf dem Hof irgendetwas im Gange ist, wird nur ein Teil der Häftlinge eingelassen, an die zwanzig junge Männer warten gut bewacht davor. »Wir Schauen uns an. Ohne Worte. Da giht es drei Straßen. Wir Sprin- gen einfach weg, ich in die Hipo- tecznastraße. Natürlich Schießen die gleich. Fin paar treßfen Sie.“ Stas?ek will durch eine Wohnung auf die Parallelstraße entkommen. »Pie Leute hören, daß es Knallt und horchen die an Tür. Ich Klopfe und die fragen, was ich will. Purch, Sage ich, auf andere Seite. Da machen die Türe auf und helfen. Ich ziehe Schuhe aus, daß keine Spuren blei- hen, da war Schnee.“ Wieder drau- ßen, mischt Staszek sich unter die Passanten, die am frühen Morgen
auf dem Weg zur Arbeit sind. Pa hin ich nicht nachhause gegangen. Uherhaupt nie mehr. Ich wohne hei Verwandte und Freunde in verschie⸗ dene Wohnungen und suche neue Arheit.“
Sechs Monate später entwischt er nicht,'da haben die Schon gelernt“. Wehrmacht, Schutzpolizei und 88 riegeln die Marschalkowskastraße ab und nehmen alle jungen Männer mit. Im Sommer 1996 schaut sich Staszek diese Ecke noch einmal an, alles ist anders, neu gehaut, Straße verhreitert, ein Platz mit Kandela- her“, der'Platz der Konstitution'.
Ohne Angabe von Gründen, ohne Anklage, ohne Urteil gehen die Ver- hafteten zwei Tage später auf Transport. Bei einer Veranstaltung in einer Oberstufenklasse eines westdeutschen Gymnasiums fragt ein Schüler ungläubig nach, ob tat- sächlich nichts gegen Staszek vorge- legen hätte. Versiert durch viele sol- che Schulbesuche antwortet er ge- duldig,'nein, tatschlich nichts, in Auschwitz vind Kinder, was haben die gemacht, daß die da vind?“ Die⸗ selbe Frage stellt ihm ein deutscher Historiker, seines Zeichens Spezia- list für Konzentrationslager, Stas- zek ist fassungslos ob dieser Bil- dungslücke. Wieder einmal wähnt er sich bestätigt: Richtig wissen und verstehen, das Lõnnen nur wir Hdft-


