Heft 
(1998) 2/1998. September 1998
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

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pe die Freiheit ließ, für sich zu ent- scheiden, was gut für ihn ist. Es blieb genügend Zeit und Raum zum Nachdenken und zur Auseinander- setzung mit sich selbst. Reden, zuhö- ren oder auch nur schweigen.

Für mich persönlich eine gute Er- fahrung war die sehr heterogene Gruppe mit den unterschiedlichsten Perönlichkeiten. S0 gut wie alle konnten die anderen, so sein lassen, Oe sie waren. Neben dem gemeinsa- men Tischdecken und den gemein- samen Mahlzeiten wurden auch fast alle anderen Aktivitäten zusammen

unternommen.

Und dann ist da noch dieser klei- ne weißhaarige Mann mit seinen un- ruhigen, aber listigen Augen. Stas- Zek, dessen Lebensgeschichte schon in der Kindheit einen besonderes

schwierigen Weg einschlug und der mit 17 Jahren nach Auschwitz kam. Man braucht nicht nur'Glück und eine gute Kommando zum Uberle- ben. Vielleicht war es seine Fügung, aber er hat dieses Lager überlebt. Und er hat die doppelte Bürde. Er hat zu verarbeiten, was er erlebt hat und daß er überlebt hat und andere nicht überlebt haben. Jeder würde es verstehen, wenn er nichts mit Men- schen zu tun haben wollte, die auch nur ein Wort Deutsch sprechen, aber er war die ganzen Tage nur für uns da. Er strahlt Güte und Barmherzig- keit aus. Er ist eine Bereicherung für mein Leben und hat seinen Platz in meinem Herzen gefunden.

Ihm und Karin an dieser Stelle nochmals meinen ganz besonderen Dank.

Staszek am Zaun von Birkenau. Foto: Andreas Dahlmeier, Kassel; aus Karin

Graf, Zitronen aus Kanada- Das Leben mit Auschwitz des Stanislaw Hantz. Siehe auch Seite 28 30 und vgl. Innenseite des Titelblattes.