30 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
kam der Bioethiker und Vetrinärmedi- ziner David Morton, Prof. an der Uni- versität Birmingham, auf die prakti- sche Idee, Patienten im Wachkoma(bei denen in England die künstliche Er-
nährung und Flüssigkeitszufuhr per Gerichtsbeschluß eingestellt werden
darf) für medizinische Experimente zu nutzen. Begründung: Die meisten Wis- senschaftler wünschen eine Verminde- rung des millionenfachen Verbrauchs von Versuchstieren und das Tiermodell sei ohnehin nicht mehr ausreichend.
In den USM ist seit 1996 ein Gesetz in Kraft, das es Medizinern erlaubt, mit Medikamenten und Verfahren an Schwerkranken ohne deren Zustim- mung zu experimentieren und bewußt- lose Patienten in Arzneimittelstudien als Kontrollgruppen zu benutzen. Pas
Die Freigabe der Pernichtung
iebensunwerten Lebens
Ihr Maß und ihre Form
Von den Profeſſoren
Dr jur etphil Karl Binding und Dr. med Alfred Hoche
fräder in Leipzig in Freiburg
Sweite Auflage
ist ein verhängnisvoller Schritt', sagte Jay Katz in einem Telefoninterview mit der New Vork Times. Der bekannte Anwalt und Fthiker an der Vale Uni- versität, der erheblich zur Aufarbei- tung der NS-Arzteverbrechen beigetra- gen hat, befand sich zu diesem Zeit- punkt in Deutschland auf einem Kon- geß Zum 50. Jahrestages der Nürnber- ger Arzteprozesse. Vom ersten Satz des Nürnberger GCodex' und von seinem ersten Prinzip(G) machen wir jetzt Ausnahmen'“, so Katz. 6 Professor Finhäupl vom Berliner Universitätsklinikum Charité machte bei einer Anhörung im Berliner Abge- ordnetenhaus(21. April 1997) folgende eindrucksvolle Aussage: Natürlich geht es nicht darum, beispielsweise kKomatösen Patienten Blut abzunehmen
Die Diskussion über an- geblich lebensunwertes
Leben“ und über die freie Verfügbarkeit von Geistes- kranken und anderen nichteinwilligungsfähigen Menschen für die medizin- ische Forschung(im Sinne einer wie auch immer defi— nierten Volksgesundheit) ist keine originäre Idee der Nazi-Ideologie. Sie hat ihre
Vorläufer und sollte als Warnung dienen, erneut
den Weg in diese Richtung einzuschlagen, wie es durch die derzeitige Fas- sung der Bioethik-Konven- tion getan wird. Der ne- benstehende Titel einer Publikation des Juristen Dr. Binding und des Psy- chiaters Dr. Hoche aus dem Jahr 1922 ist entnom- men dem Begleitband zur Ausstellung: Verlegt nach
Derlag von Felix Meiner in Leipzisg 1922
Hadamar“- Die Geschich- te einer NS- Euthanasie“- Anstalt. Kassel 1991, ISBN: 3-89203-01111)


