Heft 
(1998) 1/1998. April 1998
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

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Die Allianz-ein Unternehmen mit Geschichte

von Klaus Konrad-Tromsdorf

Noch immer ist nicht klar, ob die in New Vork anhängige Sammelklage einiger Uberlebender von Holocaust-Nachkommen gegen den deutschen Versicherungskonzern Allianz angenommen werden wird. In der Zwischen- zeit hat die Allianz fast unbemerkt von der Offentlichkeit an einer

Schadensbegrenzung' gearbeitet.

Zumindest die Vorwürfe, die gegen die Allian?z erhoben werden, wurden in den Medien bekannt. Versicherungen- wohl vor allem Lebensversicherungen- von Holocaust-Opfern wurden dem Deutschen Reich ausgezahlt, analog der Praxis der Finanzverwaltungen, die Bankguthaben von Holocaust-Opfern zugunsten des Pritten Reiches' einzu- zichen. Im Grundsatz wird dieser Sach- verhalt von der Allian?z auch gar nicht bestritten- die Nähe des Unterneh- mens zum NSSystem auch nicht- was angesichts der Tatsache, daß der da- malige Allianz-Chef kurzzeitig Wirt- schaftsminister im Kabinett Hitler war, auch wenig Sinn haben dürfte. Stand- punkt der Allianz jedoch ist, daß diese Ansprüche in den Rückerstattungs- oder Entschädigungsverfahren nach dem Kriege von der Bundesrepublik befriedigt worden seien. Ganz offen- kundig aber ist die Allian?z darum be- müht, die Fehler, die die Schweizer Banken bei der Suche nach sogenann- ten nachrichtenlosen Konten' machten (das Mitteilungsblatt berichtete), zu vermeiden. Die Kosten eines internatio- nalen Image-Verlustes werden offen- sichtlich realistisch eingeschätzt. So hat die Allianz seit Frühjahr 1997 nicht nur eine Info-Hotline und eine Recher- chegruppe installiert, sondern es— auf welchem Weg auch immer- bewerkstel- ligt, daß über deren Arbeit und vor al- lem die Ergebnisse dieser Arbeit so gut wie nicht in den bundesdeutschen Me- dien berichtet wird. Allenfalls in klei— neren Notizen- wie kürzlich im Spie- gel' wird vermerkt, daß es mit einigen Anspruchsberechtigten außergerichtli-

che Finigungen gegeben habe— auch die Beträge wurden genannt: je Einzel- fall nicht mehr als zehntausend DM.

Da ich selber in einem solchen Fall die Interessen eines Betroffenen vertre- te, Kkann ich allerdings aus eigener Er- fahrung und aufgrund von Informatio- nen, die ich von der Allianz erhalten habe, die Recherchegrundlagen und- wege beschreiben.

Faut eigener Auskunft verfügt die Allianz nur noch über geringe Bestän- de an Vertragsunterlagen- diese seien in ihrer Mehrzahl durch Kriegseinwir- kung zerstört worden. Grundlage einer Nachsuche ist das sogenannte'Zen- tralregister', ein alphabetisches Kartei- kartenregister, welches bei der Allianz- Febensversicherung bis in die siebziger Jahre geführt wurde. Danach erfolgte die Umstellung auf FEDV. Dieses Regi- ster, das den Krieg unbeschadet über- standen hat, enthält Namen, Vornamen und Geburtsdatum derjenigen Perso- nen, die bei der Allianz einen Antrag auf Abschluß einer Lebensversiche- rung gestellt haben und die für den Antrag vergebene Versicherungsnum- mer. Mit Hilfe der Versicherungsnum- mer können die Vertragsakten in den Archiven gesucht werden, diese Ver- tragsakten wiederum sind nach auf— steigenden Versicherungsnummern Ssortiert abgelegt.

In dem konkreten Fall, mit dem ich beschäftigt bin, gab es zwar einen ent- sprechenden Fintrag im Zentralregi- ster, es konnten jedoch keine Vertrags- akten aufgefunden werden. Daher ist es nicht möglich, Aussagen über den Vertragsinhalt, d.h. Versicherungssum-