Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13
pädagogischen Impuls gehabt. Fin Transfer auf die Frage nach der Identi- tät der Täter fällt aber noch immer schwer. Persönliche Ergriffenheit ersetzt nicht die inhaltliche Vorbereitung
Die Schüler, die in der Ausstellung im Unterrichtsrahmen erschienen, wa- sehr unterschiedlich auf ihren Be—
such vorbereitet. Es gab viele Gruppen, die genaue Vorstellungen darüber hat- ten, was sie erwartete und deren Ar- beitsaufträge deutlich auf den Lern- stand der Gruppe bezogen waren. Die Betreuer am Infostand in der Ausstel- lung hatten eine Perspektive auf die Besucher, die weniger pädagogisch ist als die derjenigen, die selbst Führungen machten. Sie haben oft den Eindruck gewonnen, daß ein großer Teil der Ju— gendlichen, die im Klassenverband an- gereist waren, keine Vorstellung von der Art der Ausstellung hatten, die sie besuchten. Viele waren nicht auf die oben beschriebenen Zusammenhänge der Thematik des Zweiten Weltkrieges in Osteuropa vorbereitet. In den Aus- stellungsgesprächen mit geführten Gruppen taten sich oft Kenntnislücken belbst in grundlegenden Fragen der
SGeschichte auf. Diese Beobachtung deckt sich mit den Erfahrungen, die Pädagogen in den Gedenkstätten mit Besuchergruppen immer wieder ma- chen.
Es ist eine Uberforderung der Funk- tion einer solchen Ausstellung, wenn sie als Lernort verstanden wird, an dem Grundlagen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus vermit- telt werden. Vielmehr steht die Ausstel- lung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944*, genau wie die Gedenkstätten, für eine be— stimmte Form der Frinnerungskultur im Bezug auf ein bestimmtes Ereignis.
Ein Besuch in der Euthanasie-Gedenk- Stätte Hadamar kann nicht die Ausein- andersetzung mit der Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen in Ser— bien, Griechenland oder der Sowjetuni- on ersetzen. Es ist eine didaktische Entscheidung, die wir Lehrkräfte fäl- len, welchen Schwerpunkt wir bei der Behandlung der Epoche des National- Sozialismus setzen. Gerade die Erfah— rung mit den Gruppen in der Paulskir- che ließ bei den Betreuern am Infotisch oft den Findruck entstehen, daß nicht langfristige Planung von Lernprozes- sen, sondern eine persönliche Ergrif- fenheit der Lehrkräfte den Besuch ver- anlaßt hatte. Sicher, immer wieder be- richteten die Lehrerinnen und Lehrer, die Schüler selbst hätten auf diesem Besuch bestanden. Aber ist das ein di- daktisches Argument? Und wenn dem 80 ist, wieso waren so viele Gruppen nicht inhaltlich auf den Besuch vorbe- reitet? Wieso sahen so viele Lehrerin- nen und Lehrer die Ausstellung mit ih— ren Schülern gemeinsam zum ersten Mal? Immer wieder sammelten sich Gruppen am Ausgang, um auf ihre Be— gleitpersonen zu warten, die noch mit der Lektüre der Ausstellung beschäf- tigt waren. Es liegt nahe, daß die eigene Auseinandersetzung mit der Geschich- te des Zweiten Weltkrieges im Kontext des Holocaust und der darin einge- schriebenen je eigenen Familienge- schichte für viele unter uns Lehrerin- nen und Fehrern noch aussteht.
Kriegsteilnehmer, Lehrer, Schüler: Drei Generationen-drei Zugänge
Die Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944* hat sich durch ihre Rezeption im vergangenen Jahr zu einem Ort entwik- kelt, an dem das Verhältnis zwischen der Generation der Kriegsteilnehmer und den Nachgeborenen öffentlich verhandelt wird. Dies ist ihr hervorra-


