Heft 
(1998) 1/1998. April 1998
Einzelbild herunterladen

12 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

großen Abstand zwischen ihrer eigenen Welt und den Ereignissen der Jahre 1941 bis 1944 in der Sowjetunion. Aber diese Erwartung ist oft trügerisch, ge— rade diese Geschichte kann unverhofft sehr nahe rücken. Falls sie die Ausstel- lung aufmerksam wahrnehmen, ist die Information, daß 18 Millionen deutsche Männer in der Institution Wehrmacht aktiv tätig waren, die als Institution für Verbrechen verantwortlich ist, ein Grund der Verunsicherung. Es ist er- staunlich, daß diese einfache Informa- tion nicht Teil des Grundwissens über die deutsche Geschichte ist, das als Voraussetzung in jeden Lernprozeß in Schule und Museum eingeht. Denn die- se Tatsache wird nirgends bezweifelt. Die Wehrmacht, 1934 auf'den Führer? vereidigt, war Teil des verbrecherischen NSStaates. Als solche war sie an dessen Menschheitsverbrechen beteiligt. Daß der Blick auf diese einfache Tatsache im Geschichtsunterricht anscheinend

selten eine Rolle spielt, fällt jetzt ange- sichts der vehementen Reaktionen auf diese Ausstellung plötzlich einer brei— teren Offentlichkeit auf.

Die Lehrkräfte selbst erschrecken vor dieser Tatsache aber sicher noch mehr als ihre Schüler. Der Blick auf das NS-System war seit den 70er Jahren durch eine Mischung aus Fixierung auf einzelne Täter(Höß, Himmler) und auf die Deutschen als Masse geprägt. Der alltagsgeschichtliche Blick, der die Ge⸗ schichtswissenschaft und den 60 schichtsunterricht seit Beginn der 80er Jahre verändert, hat zwar die Auf— merksamkeit für Lebensverhältnisse der Verfolgten und auch der deutschen Durchschnittsmenschen in der NS-Zeit verstärkt. Vor allem im Blick auf den 9. November 1938 wurden Schicksale der Verfolgten dokumentiert. Diese For- schungen sind nicht zuletzt vielen schulischen Projekten zu verdanken, sie haben also von Beginn an einen

L

Fxekutierte'verdächtige“ Dorfbewohner; tatbeteiligt von links: Wehrmachts- offizier, Unteroffizier, Offizier einer der verbündeten Armee, zwei SD-An-

gehörige, fünf Polizeiangehörige.