Heft 
(1998) 1/1998. April 1998
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10 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

ern verbergen.

Der Ausstellungsort: Politisch sinnvoll, pädagogisch problematisch

Das Fritz Bauer Institut war vom Land Hessen mit der Gestaltung des Begleitprogramms und mit der Kon- zeption der Führungen beauftragt. Niemand hatte damit gerechnet, daß die Steuerung der Besucherstrõme ein eigenes Arbeitsfeld werden würde. Der Raum in der Paulskirche war bei weit tem zu klein. Es war eine symbolische politische Entscheidung, die Ausstel- lung dort zu präsentieren. Als solche war sie sinnvoll, die Paulskirche ist der symbolisch angemessene Ort für diese Auseinandersetzung mit unserer Ge schichte. Leider ist sie als konkreter Raum eng und schlecht belüftet, nicht für 3000 Besucher am Tag gemacht. An manchen Tagen herrschte vormittags eine regelrechte Schulausflugsstim- mung. Wer täglich in der Ausstellung war, konnte über die fünf Wochen hin-

weg trot?dem feststellen, daß sich eine konzentrierte Atmosphäre hielt, ver- gleichbar einer Bibliothek. Die Besu-

cher lasen, tauschten Eindrücke mit gedämpfter Stimme aus. Das trifft

auch auf die Jugendlichen zu. Aller- dings zeigten sich einige Probleme in der pädagogischen Nutzung der Aus- stellung, die für die künftigen Besu- cher relevant sind.

Die Bedingungen für pädagogisch sinnvolles Arbeiten sind in dieser Aus- stellung auch unabhängig vom Raum nicht vielversprechend. Sie besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Text- sorten, die teilweise argumentierend, teilweise eher als Collage zusammenge- stellt sind. Die Lektüre der gesamten Textmenge würde eine konzentrierte Lesezeit von vier bis fünf Stunden ver- langen.

In der öffentlichen Rezeption stehen die historischen Fotografien im Vor- dergrund, mit denen die Autoren ihre Argumentation abstützen, die sie aber oft auch nur als Illustration verwen- den. Daher ist die Erwartung der Besu- cher darauf gerichtet, eine Ausstellung zu besuchen, die in erster Linie opti- sche Reize bietet. Die Kontroversen un die Ausstellung in den Medien haben der Ausstellung die Aura eines'events* verliehen. Die Besucher erwarten ein Spektakuläres Breignis.

Diese Erwartung wird von der Aus- stellung selbst auf mehreren Ebenen

Vorkenntnisse werden vorausgesetzt

Amateuraufnahme eines Beteiligten an einer Massenexekution in der Sow- jetunion. Dieses Bild wie auch die auf den folgenden Seiten abgedruckten wurden bei toten oder gefangenen deutschen Soldaten gefunden(ent- nommen dem Katalog zur Ausstellung Vernichtungskrieg, Hamburg 1997, ISBN3-930908-247).