Heft 
(1998) 1/1998. April 1998
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

In Titronen aus Kanada hat Karin Graf Das Leben mit Auschwitz

des Stanislaw Hantz' beschrieben

5 Vorabdruck eines Kapitels

Tiere

März 1945. Staszeks Handwerker- kommando wird aus Hersbruck nach Nürnberg beordert, um Bombenschä- den für die nächsten Bomben auszu- bessern. Paßt auf, bei Euch wird heute gefilzt, jemand hat verpfiffen, daß Ihr Fleisch habt', so warnt mittags der Kapo einen Häftling aus Stas?zeks Kommando in einer Nürnberger S8 Kaserne. Unmittelbar nach dem Abendappell kehren zwei SS Leute un- ter dem obligaten Gebrüll in ihrer Kel- lerzelle das Unterste nach oben. Da fragen wir, was suchen sie. Ihr freßt hier Fleisch, schreien die, die Leute draußen haben es schwer mit Fleisch und Ihr freßt hier. Fleisch, ja Fleisch, das hätten sie, räumen die Häftlinge ein und holen eine Katze ohne Fell und ein Fell ohne Katze aus einer dunklen Be nie de e Schicksal hatte ihnen mit einem feind- lichen Bombenangriff zur rechten Zeit schmeichelnd wiederholt Staszek heute die Worte von damals, das ist sehr gut, solches Fleisch, Herr Unterscharfüh- rer. Heute lachen seine Augen dabei, damals begab er sich devot und zu gleich berechnend unter die S8. Ob aus Mitleid und-oder Uberheblichkeit, die SS-Leute überlassen angewidert ihren Fund den tschechischen Denunzianten. Für Stas?zek und sein Kommando ist damit die auch in den letzten Kriegs- wochen eventuell noch lebensgefährli- che Situation gerettet, die geklauten Fleischdosen bleiben unentdeckt.

Haben sie tatsächlich Katzen geges- sen? Ja', ist die ebenso knappe wie ernste Antwort,'haben wir', der Ton verbietet eitere Fragen, und schmeckt die gut?.

Hunde habe ich manchmal geges- sen', erzählt Staszek dann doch noch. Das war in jener Zeit in Auschwitz, als er mit dem Pferdefuhrwerk aus der evakuierten Umgebung jenseits der So- la Holz aus den Häusern holte, die Hals über Kopf von ihren Bewokuetinnen und Bewohnern verlassen werden mußten. Unabdingbare Voraussetzung für so eine Hundemahlzeit war, daß der Posten mitspielt und eventuell eine überflüssige Patrone hat. Alles andere ist kein Problem,'Hunde laufen viele im Vor Ofen op Kohle, alles haben die Leute gelassen. Staszek erinnert sich an einen Vormit- tag, an dem er einen'nicht großen, hellbraunen Hund' häutet, zerlegt und kocht. Der Hunger hat jedes Detail no- tiert.'Das war zweiundvierzig, da ha- ben wir mittags zwei Stunden Bettruhe im Lager. Ich mache viel Kohle unter Topf und wir fahren zurück ins Lager. Ich bin spät. Nach der Mittagspause bekomme ich andere Posten, neue, sol- che alte Mann. Ich weiß nicht, was wird, kann ich mit dem zu dem gekoch- te Hund fahren oder nicht. Da muß c0 mit dem ein paar Worte sprechen. Das ist ein Deutscher, S8, kann der nicht Polnisch. Sage ich dem, wir können Mittag essen, der Posten von vormittag hat Hase geschossen. Hat der gesagt, da muß der aber gut schießen, wenn der hat nur Kugel und nicht Schrot. Hund ist gut gekocht, weich, geht gut ab von Knochen. Der fragt nochmal, ob das Hase ist, ja sage ich, ist Hase. Zuerst frage ich den, ob der erlaubt, daß ich esse und gebe dem ein ganzes großes Bein und hat dem geschmeckt. Der hat Brot und das teilt der mit mir. Das Fleisch ist gut, aber schmeckt besser