Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung
von Sascha Feuchert
Gießen/Lich- Eine lange Vorbereitungsphase fand am 31. Januar ihren Abschluß: An diesem Tage erteilte der Regierungspräsident die Genehmigung für die neugegründete Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich'. Die Aufga- ben der Stiftung liegen vorwiegend in den Bereichen Politische Bildung, Forschung und Publikation: Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, die Erinne- rung an das oberhessische Judentum, seine Geschichte, seine Vertreibung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten aufrechtzuerhalten und überdies das Erforschen der Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen von Antisemitismus und Rassismus voranzutreiben. Die Ernst-Ludwig Chambré- Stiftung will gezielt solche Unternehmungen fördern, die der Auseinanderset- zung von Jugendlichen mit der Zeit des Nationalsozialismus dienen.
Entsprechende EFinrichtungen wie Arbeitsräume, eine Präsenzbibliothek und eine Mediothek stellt die Stiftung zunächst an der Dietrich-Bonhoeffer- Schule Lich bereit. Dort wird sie auch einen Büroraum bezichen. Die Stif- tungsgeschäfte laufen allerdings ab Sofort. Zu diesen gehört auch die För- derung von kulturellen Veranstaltun- gen und Forschungsvorhaben, die dem Stiftungszweck dienen.
Ernst Ludwig Chambré(1909—*96)
Die Vorgeschichte der Stiftung: Es war im Jahr 1987, als Schülerinnen und Schüler der Licher Dietrich- Bonhoeffer-Schule damit begannen, die Nazizeit in ihrer Heimatstadt zu recherchieren- nicht zuletzt der Ma- gistrat der Stadt Lich war an einer umfangreichen Dokumentation inter- essiert. Im Zuge der Recherche blieb es nicht aus, daß die Jugendlichen auf den Namen Ernst Chambré stießen. Ein ehemaliges Dienstmädchen der Familie erzählte Einzelheiten und vermittelte die Adresse: Ernst-Ludwig Chambré, in den USA lebend, erzählte in vielen Briefen von der Geschichte seiner seit dem 18. Jahrhundert in Lich ansässigen jüdischen Familie. 1909 wurde er in Lich geboren. Sein Vater Max übernahm 1919 das vom Großvater gegründete Manufactur- waren- und Bankgeschäft in der Un- terstadt. Ernst-Ludwig Chambré hat- te zwei Schwestern, Henriette und Anne. 1929 bestand er das Abitur in Gießen und studierte anschließend Jura in Gießen, Frankfurt und Berlin.
Bereits in den 20er Jahren gehörten seine Eltern dem sozialdemokrati- schen Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold' an und versuchten, gegen den erstarkenden Antisemitismus anzuge- hen. Doch vergeblich- nach unendli-


