Heft 
(1997) 1/1997. September 1997
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 5

Zwangsarbeiter des Deutschen Reiches sind nicht als NS-Verfolgte anerkannt

Der Vorstand der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer hat folgenden Aufruf unterstützt und bittet die Mitglie- der und Freunde unseres Vereins den Aufruf auch als Finzelpersonen zu unterschreiben und Unterschriften zu sammeln. Fine Liste ist auf der nächsten Seite samt Kontaktadresse abgedruckt.

Aufruf zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter

150 Jahre Siemens AG

1997 feiert die Siemens A6 ihr 150 jähriges Firmenjubiläum. Teil dieser Geschichte ist auch die Rolle des Konzerns im Nationalsozialismus. Wäh- rend des Zweiten Weltkrieges wurde zeitweise ein Drittel der wirtschaftli- chen Produktion für das Deutsche Reich durch den flächendeckenden Einsatz von Zwangsarbeiterlnnen erbracht. Die Frauen, Männer und Kin- der kamen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten, auch aus Deutschland. Bis zum heutigen Tag wird den ehemaligen ZwangsarbeiterIn- nen vom deutschen Staat die Anerkennung als NS-Verfolgte und eine mate- rielle Entschädigung verweigert. Die Firmen, die von der Zwangsarbeit profitierten, so auch die Siemens AG6, haben Entschädigungsansprüche der ehemaligen ZwangsarbeiterInnen zurückgewiesen.

Als Lieferant der Rüstungsindustrie und führender Flektro-Konzern übernahm die Siemens A6 eine Vorreiterrolle bei der systematischen Aus- beutung von Zwangsarbeiterlnnen. Zunächst bereicherte sich Siemens ab Frühjahr 1940 an jüdischen Zwangsarbeiterinnen. Es folgte 1942 die Errich- tung eines eigenen Werkes mit schließlich 20 Produktionshallen beim

Ravensbrück. 1943 machten FremdarbeiterIn-

n, Kriegsgefangene, jüdische Zwangsarbeiterlnnen und KZHãäftlinge mehr als 30 Prozent der Siemens-Gesamtbelegschaft aus. Sie wurden ausge- beutet, schikaniert und gequält; viele sind verhungert und wurdendurch Arbeit vernichtet?.

Die Siemens A6 hat sich bis heute ihrer Verantwortung entzogen. Ein einmaliges finanziellesTrostpflaster erhielten lediglich 2203 jüdische Uberlebende durch das hartnäckige Engagement der Jewish Claims Confe- rence in den 60er Jahren, jedoch ohne Anerkennung eines Rechtsanspru- ches auf Entschädigung. Die übergroße Mehrheit der ehemaligen Zwangs- arbeiterlnnen wurde bis heute nicht entschädigt. Dabei war Zwangsarbeit bereits bei den Nürnberger Prozessen im Sinne eines der vier Hauptankla- gepunkte alsVerbrechen gegen die Menschlichkeit? verurteilt worden. Das Furopäische Parlament hat in seiner Entschließung vom 16. Januar 1986 eindeutig festgestellt, es bestehe eine klare moralische und rechtliche