12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
den'Strukturen und der Denklogik' der Täter? Und schließlich: Wen ge- nau umfaßt der Begriff Täter'? Wer ist durch welche Handlungen 'schuldig' geworden? Mir scheint, daß hierin die methodische Herausforde- rung liegt:
Aus historischen Quellen mag sich die Denklogik' der Täter durchaus rekonstruieren lassen. Aber Täter- schaft und Schuld sind Kategorien, die Jugendliche bei ihrer Auseinan- dersetzung mit diesem Thema zu- nächst für sich selber klären müssen das ist das, was Claussen als historisches Bewußtsein', das das »Wissen um den Unterschied' bedarf, bezeichnet. Ich denke, daß hierzu ein individuelles Erinnern' notwendig ist, eines, das auf der Grundlage der eigenen Familiengeschichte erfolgt,
insoweit die eigene Zugehörigkeit zur Tätergesellschaft' akzeptiert und den tatsächlichen Anteil der eigenen Familie an Täterschaft und Schuld zu erforschen und zu bewerten sucht. In einem Artikel in der Berliner taz hat Peter Ambros unlängst einen satirisch gewendeten Beitrag?zum Thema Frinnern' abgeliefert, der mir in sei- ner Grundaussage mehr als nur nach- denkenswert erscheint(Peter Ambros: Finmal Diktator von sein, taz, Januar 1995). Ambros be- schreibt den Zustand des'Sich-Nicht- Erinnern-Wollens', den er wohl für die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung für symptomatisch hält, als eine Ubernahme von Schuld aus Unwissenheit. Seine These lautet: Die- jenigen, die sich nicht erinnern, füh- len sich stellvertretend schuldig, ob-
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