10 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Sprache gibt es- vom Nazi-Begriff der Endlösung'einmal abgesehen keinen Begriff, der den von Deut- schen ausgeübten Massenmord an den europãischen Juden unterschiedlicher Nationalität beschreibt. Holocaust'- schon semantisch fragwürdig— und Shoa' sind Fremdworte, deren Ver- wendung problematisch ist und bleibt. Indirekt thematisiert die Ver- fasserin hier den Themenkomplex, der sich- meiner Meinung nach als bestimmend für eine Konzeption von Gedenkstättenpãdagogik erwiesen hat: Das Spannungsfeld zwischen emotionaler Betroffenheit und ratio- naler Erklärung drückt sich in der Ambivalenz scheinbar widerstreiten- der Forderungen aus. Soll das Ziel von Gedenkstãttenpãdagogik identi- fikatorisches Verhalten mit den Op- fern sein, oder aber das Verstehen der Tat, das Sich-Identifizieren mit der Tätergesellschaft? Elie Wiesel hat diese Ambivalenz in einer Rede vor
deutschen Jugendlichen sinngemäß s0 formuliert:'Wir versuchen, uns an die Toten zu erinnern- Sie müssen sich an die erinnern, die sie getötet haben. ..(Flie Wiesel. Rede im Berliner Reichstag 1987). Der derzeitige Dis- kussionsstand zeigt, daß hier die größten Unsicherheiten bestehen, daß der(fach)õffentliche Diskurs hier sei- ne größten Defizite aufweist, Defizi- te, die sich zum einen im Definieren, des anzustrebenden Zieles, zum andeW ren in den hier anzuwendenden Me- thoden ausdrücken.
Detlev Claussen und Wolfgang Sofsky(Claussen: Grenzen der Auf- Klärung, Frankfurt/Main 1987; Sofs- O ö Frankfurt/ Main 1993) haben in der Vergangenheit unmißverständlich darauf aufmerksam gemacht, daß ein Brinnern ebenso das Sich-Annähern an die gesellschaftlichen Grundlagen der Täterperspektive bedarf wie der Finfühlung in die Situation der Op-


