Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Tableau unterschiedlicher Problem- felder, das von den Schreibenden er- freulich offen dargelegt wird: Dog- matisches Festschreiben von Positio- nen wird weitgehend vermieden (dazu aber Spãter mehr).
In drei unterschiedlich langen Ka- piteln gehen die Autoren und Auto- rinnen das Thema an. In einem ersten Kapitel(Bedingungen, Probleme, Ziele') versuchen einige Beiträge, den Bereich der Gedenkstättenarbeit hin- sichtlich Genese und Selbstverständ- nis einzuordnen. Das umfangreichste Kapitel umfaßt die sogenannten Erfahrungsberichte', in denen aus verschiedenen Perspektiven(Z. B. der- jenigen des hauptamtlichen Mitarbei- ters in einer Gedenkstätte, derjenigen der Lehrerin, derjenigen der Jugend- bildungsreferentin, derjenigen einer Teilnehmerin) über konkrete Projekt- arbeit mit verschiedenen Zielgruppen geschrieben wird; eine lohnenswerte Lektüre für all diejenigen, die sich Gedenkstättenarbeit auf unterschied- lichen Erfahrungsebenen annähern möchten. Ein drittes Kapitel(Zur Diskussion') versucht die Grenzen von Gedenkstättenpädagogik auszu- loten. Abschließend ergänzt wird das Buch durch einen Anhang, der neben einem ausführlichen bibliographi- schen Apparat eine Ubersicht über Gedenkstätten für die Opfer des NS- Regimes' nebst Adressen, Telefon- nummern und Ansprechpartnerlnnen aufweist.
Meine Ausführungen beziehen sich überwiegend auf Beiträge des ersten Kapitels, die die oben angesproche- nen Problemfelder skizzieren.
Der Beitrag von Rathenow/Weber (beide Didaktiker an der TU Berlin) versucht, Gedenkstättenpãdagogik im Zusammenhang schulischer Bil-
dungsprozesse zu beschreiben. Dieses Beschreiben ist sachbezogen und kon- kret, ich würde es als direkt umsetz- bare Handlungsanweisung für die Planung von Unterricht bezeichnen (Z.B. der Fragenkatalog für Lehrer, S. 24). Deutlich wird auch, daß von ei- nem Gedenkstättenbesuch quasi'en passant' dringend abgeraten wird. Längere Aufenthalte, die ausführlich vor- und nachbereitet werden müssen, sind dem vorzuziehen. Als Frage bleibt für mich unbeantwortet, inwie- weit das Prinzip der freiwilligen Teil- nahme, wie man es aus dem außer- schulischen Jugendbildungsbereich kennt, hier nicht auch für die schuli- sche Arbeit gelten sollte.
Thomas Lutz(Mitarbeiter bei der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin) begründet auf der Grundlage der unterschiedlichen Geschichte von Gedenkstättenarbeit in der BRD und der DDR die noch immer bestehende Notwendigkeit der Auseinanderset- zung mit der NS-Geschichte. Beson- deren Raum nehmen seine Anmer- kungen zum Problem der Gedenk- stätte als'authentischem' Ort ein. Mit Recht verweist er darauf, daß die oft- mals von den Besuchern und Besu- cherinnen erwartete/möglicherweise Sogar erhoffte Authentizität' de fac to nicht bestehen kann, jedenfalls dann nicht, wenn mit dieser Erwar- tung der Wunsch nach einem sinnlichen Erfahren' des Ortes ver- bunden wird. Der'authentische Ort' ist vielmehr gewollte oder ungewollte Ins?zenierung, gewinnt in seiner heuti- gen Form also eher den Charakter ei- nes Artefaktes. Somit wird deutlich: Diese Orte sprechen nicht für sich selbst, sondern müssen in zutreffen- der Weise erklärt und interpretiert werden.“(Lutz, S. 44).


