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(1996) 1/1996. März 1996
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30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

die Verurteilung durch die Nazi- Justiz. Während in Osterreich NS- Strafen bereits 1946 aufgehoben wur- den, sollte dies in der BRD erst 1989 geschehen. Hermann findet eine Stel- le in einem ungarischen Reisebüro in Frankfurt. Hier arbeitet er, bis er sich Ende der 70er Jahre nach zwei Herz- infarkten pensionieren lassen muß.

1979 gründet er, mittlerweile in Münzenberg wohnhaft geworden, die

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freun- deskreis der Auschwitzer. Am 5. De- zember 1995 zeigt er bei einer Veran- staltung des DGB und der VHS in Bad Homburg eine von ihm zusam- mengestellte Ton-Dia-Schau und diskutiert zum letzten Mal in der Of- fentlichkeit über Auschwitz.

An Weihnachten muß er ins Kranken- haus nach Lich. Dort stirbt Hermann Reineck am 29. Dezember 1995.

Interview(Auszug) mit Hermann Reineck vom Sommer 1984

Ich bin am 9. Januar 1919 in Wien geboren

Hermann Reineck war einer von sieben ehemaligen Auschwitzhäft- lingen, die 1984 einer Gruppe von Autorinnen und Autoren ein langes Interview gaben. Erschienen sind die Gespräche sowie ausgewähltes Dokumentationsmaterial 1984 im Düsseldorfer Verlag*dkv- der kleine Verlag. Der Band kostet 14.80 Mark und ist noch im Buch- handel(ISBN 3-924166-04.8) er- hältlich. Einige Auszüge über Her- manns Kindheit in Wien:

Jeh hin am 9. Januar 1919 in wien¶ gebhoren, ich komme aus einer- ich mbchte Sagen hürgerlichen Familie. Mein Vater war Sruatsangestellter er nat hei der Post- und Telegrammdi-

rektion gearbeitet meine Mutter führte den Haushalt. Ich hin im Sozialdemo- kratischen SFinne erzogen worden, war hei denKinderfreunden, das wur damals eine große Staatliche Jugendorganisation, Spdter hei denKoten Falken und noch Später, mit 14, hin ich zur S4 gekommen, zur Sozialisti- Schen Arbeiterjugend. Dieses Starke, Sozialdemokratische Element, das kam vor allem von meinem Vater. Ich habe noch eine Schwester, die aber diese politischen Entwicklung nicht so mitgemacht hat.

Joh hin normal zur Grund- und Haupischule gegangen. In Ovterreich ist das So, daß man zuerst acht Klassen machen muß und dann erst zum Gymnasium gehen Lann. Als ich aus der Hauptschule Kum, hin ich dann weiter auf das