Heft 
(1996) 1/1996. März 1996
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29

Auschwitz wird er unter der Nr. 63387 registriert. Da er als Reichsdeutscher gilt, bekommt er die Nummer nicht eintãtowiert. Hermann arbeitet zuerst beim Stra- Benbau. Er trifft nach kurzer Zeit zufällig auf politische Freunde aus Wien, die bereits länger im KZ inter- niert sind und als Funktionshäftlinge gewissen Finfluß in der Lagerhierar- chie haben. Sie sorgen dafür, daß Her- ¶mann nach 14 Tagen in eine Schreib- stube kommt und so die Chance zum Uberleben erhält.

1944

Hermann wird am 7. November im KZ Auschwitz zur SS-Finheit Dirle- wanger zwangsrekrutiert, um an der ungarisch-slowakischen Grenze ge- gen Partisanen zu kämpfen. Mit ein- em Freund gelingt ihm die Flucht zu den Partisanen. Als die S8 mit ver- stärkt herangezogenen Truppen die Partisanengruppe fast vollständig vernichtet, gelingt es Hermann den Massakern und der Gefangenschaft zu entkommen. Er kann sich in Rich- tung Osterreich durchschlagen. Im Salzkammergut findet er seine Freunde und schließt sich õsterreichi- Oben Partis anen an, mit denen er bis Zzum Kriegsende kämpft.

1945-1963

Nach dem Krieg wird Hermann kurz- zeitig von der US-amerikanischen Ar- mee als Gefängnisdirektor für NS- Verbrecher eingestellt. Unter ande- rem zählt Kaltenbrunner zu seinen Schützlingen'.

Danach kehrt Hermann nach Wien zurück und heiratet seine langjährige Freundin Herta. Aus dieser Ehe, die bald wieder geschieden wird, geht eine Tochter hervor. Auch eine zweite

Ehe- aus der?zwei weitere Töchter stammen-scheitert.

Die körperlichen und psychischen Folgekrankheiten(KZSyndrom) führen dazu, daß er seinen Beruf als Buchbinder und Schriftsetzer aufge- ben muß. Bereits im Alter von 27 Jah- ren bekommt er eine Rente zugespro- chen. Er schult um auf Kaufmann und arbeitet als kaufmännischer Lei- ter in einer Wiener Druckerei.

Auch die politische Arbeit hat Her- mann in Wien wieder aufgenommen. Er schließt sich 1947 mit anderen ehe- maligen Häftlingen zu einer Lagerge- meinschaft zusammen. Zudem wird er für einige Jahre Mitglied in der Kommunistischen Partei Osterreichs. Sein Austritt erfolgt aus Protest ge- gen die Hinrichtung des ungarischen Außenministers Rajk, dem das stalini- stische Regime eine'imperialistische Agententätigkeit' vorgeworfen hatte.

1964

Hermann wird als Zeuge zum Au- Schwitz-Prozeß in Frankfurt am Main geladen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er nur sehr allgemein über Auschwitz berichtet. Im Prozeß sagt er erstmals über persönlich erlebte Situationen im KZ aus.

Er lernt Anni Roßmann kennen, die als Beobachterin im Gerichtssaal den Prozeß verfolgt. Noch im gleichen Jahr siedelt Hermann von Wien zu Anni nach Frankfurt um.

1965-1995

Nach vielen Schwierigkeiten be- kommt er eine Aufenthalts- sowie eine Arbeitsgenehmigung und arbei- tet in einer Layoutdruckerei. Er wird nach einigen Monaten fristlos gekün- digt. Grund: Er habe verschwiegen, daß er vorbestraft war. Gemeint war