Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31
Gymnasium gegangen. Dort war ich eineinhalb Jahre. Im Jahr 1932, wdhrend der großen Arbeitslosigkeit, ist dann mein Vater gestorben. Zundchst hin ich noch weiter zur Schule gegangen, aher 1934 mußte ich aufnõren, weil meine Murter das Schulgeld nicht aufhringen Konnte. Lehrmittel, Büicher und alles mußte ja gekauft werden. Als meine Muter das nicht hat leisten tönnen, da galt es für meine Schwester und mich Runter von der Schule und irgenderwas lernen, irgendewas verdienen. Mit meiner Mutter, das war eine tragische Geschichte. Die hatte Kein Eintommen und auch keinen Anspruch auf Pen- Sion. Mein Vater war Zweimal verheiratet gewesen mit meiner Mutter, das war die zweite Ehe und die erste Frau hatte Anspruch auf die Pension und hat Sie auch hekommen, ohwohl keine Kinder da waren, und die zweite Frau,
Deine Murter also, hat üherhaupt nichts hekommen. Sie hat dann auf dem Sogenannten Gnadenweg eine Waisenpension für die Kinder erhalten, aber das war minimal. Arbeit hat es keine gegeben. Meine Mutter hat alles ver- Sucht, irgendeine Arbeit zu finden, es war nichts zu bekommen.
Ich war nach der Schule auch über ein Jahr lang zu Hause, hahe verzweifelt nach irgendeiner Arbeit gesucht. Bamals habe ich Schon echten Hunger ken- nengelernt- wenn trockenes Brot zu Hause war, dann war das Schon gut, und wenn man mal So ein Stüickchen Pferdewurst Kaufen konnte, das war die hillig- Sre Wurst, die es gah, 100 g hahen 10 Groschen gekostet, dann war das wunder- har. Da habe ich Hunger Kennengelernt. Schließlich habe ich mir gesagt, es ist ganz egal ohSchneider Schuster, Tischler oder irgendenwas anderes, was eben Kommt, das lerne ich. Und so habe ich meine erste Lehre als Buchhinder gemacht.
In den 30er Jahren waren diese bürgerkriegsdhnlichen Kampfe, die habe ich in Wien mitgemacht, das war eins der Zentren der Unruhen. Schließlich wurden alle Parteien aufgelõst. Damals war ich Schon hei der S4, der Soziali- Srischen Arheiterjugend, und wir hahen illegal weitergearbeitet. 1936 hin ich dann das erstemal verhaftet worden, das war im Dezember. Ioh hlieh his Mai 1937 in Haft. Ich wurde noch als Jugendlicher hehandelt und hin Später in das Sogenannte Anhaltelager Wollersdorf gekommen, das liegt Südlich von Wien.
as war eigentlich als Umeriehungslager gedacht, und die Nazis habhen es
„Konzentrationslager Wollersdorf“
genannt, aber mit einem Konzentra- Impressum: tionslager war es überhaupt nicht Mitteilungsblatt 1/96 Zu vergleichen. Es gah dort Sozial- Herausgeber:
demokraten, Kommunisten, öster-
Lagergemeinschaft Auschwitz- reichische Faschisten. Piepolitische
Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Schulung, von oben*, die eigentlich Redaktion: heabsichtigt war, fand in der Praxis Hans Hirschmann
nicht Sratt. Tatsdchlich haben die Mitarbeiterinnen: Nazis Sogar zusammengesessen und Anni Roßmann-Reineck „Mein Kampf' gelesen, die Kommu- Ariana Enders
nisten und andere hahen das mit ih- Mitarbeiter:
ren Schriften dhnlich gemacht, S0 Klaus Konrad-Tromsdorf
war die politische Schulung... Matthias Tiessen


