Heft 
(1996) 1/1996. März 1996
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

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»Wissend daß du So lange aufuldrerisch weiter wirken wirst, his du einst Phisch nicht mehr Kannst, wünsche ich dir dafür die nòtige Kraft- den Willen dazu braucht dir niemand zu wünschen. Jeden Menschen, den du mit deinem Wissen noch, anzustecken' vermagst, wird dadurch in Seiner demokra- rischen Grundhaltung geſestigt werden können und die Abcheu vor mensch- licher Barharei in Sich wach halten. Mit diesen Sätzen hatte Landrat Rolf Gnadl vor etwas mehr als zwei Jahren Hermann Reineck zum 75. Geburtstag gratuliert. In seiner Ansprache bei der Trauerfeier für Hermann machte er auch deutlich, wie notwendig Hermanns Aufklärungsarbeit war. Als ein Bei- spiel nannte er, die von einigen Kreispolitikern in der Boulvardpresse angezet- telte Hetze, gegen Studienfahrten von Jugendlichen nach Auschwitz. Die Frankfurter Rundschau ging bei ihrem Bericht über die Trauerfeier unter anderem auch auf diese Passage der Rede ein:

Landrat Rolf Gnadl bezeichnete das Be- mühen von Reineck, die Schrecken des Holocausts wachzuhalten, als notwendig in einem gesellschaftspolitischen Klima, in dem die Bundesrepublik als Rechts- nachfolger des vorigen Deutschlands im- mer noch Schwierigkeiten habe,offen und bekennend mit dem Nazierbe umzu- gehen, und in dem ein hochrangiger Bun- despolitiker politisch unbeschadet erklä- ren konnte, Deutschland habe es nach der beispiellosen Aufpbauarbeit der Nach- kriegsjahre verdient, nicht immer wieder an Auschwitz erinnert zu werden.

Gegen die Ignoran?

Gnadl erinnerte an jene Debatte 1985 im Kreistag, in der die Reisen von Schul- klassen nach Auschwitz finanziell unter- stützt werden sollten. Gnadl:Hochrangi- ge Kreispolitiker haben dabei derart auf- peitschend polemisiert, daß daraufhin in der Boulevardpresse gehetzt wurde, der Kreis wolle wehrlosen Schülern zumuten, in KZ-Barracken zu übernachten. In einem solchen gesellschaftspolitischen Klima werde es neonazistischen Tenden- zen leicht gemacht.

Uber Auschwitz darf kein Gras wachsen, lautete Her- mann Reinecks Mahnung und Vermãächtnis