Heft 
(1996) 1/1996. März 1996
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

gelte für einen Staat, in dem es möglich war, daß 1985 im Wetteraukreis hoch- rangige Kreispolitikerreißerisch, un- sachlich und aufpeitschend gegen die Absicht polemisierten, Schulklassen?u unterstützen. die Studienhalber nach Auschwitz reisten.

Eine solche Gesellschaft sei nicht selbst- verständlich unempfänglich gegen ein Wiederaufkeimen von Faschismus, be- merkte Gnadl. Dies zeigten bedauerli- cherweise immer wieder die rassisti- schen Ausschreitungen und das Erstar- ken rechtsradikaler Kräfte. Weil es dem Slaat nicht immer gelinge, im öffentli- chen Auftreten gegenüber den vom Naziterror besonders gebeutelten Län- dern und Võlkern, allen voran Polen, das richtige Taktmaß emgegenzubringen, habe Reineck versucht, jungen Menschen Slellvertretend für den versagenden Slaat durch sichtbare Taten Demut zu cigen und um Vergebung zu bitten Dies sci eine Größe und keinc Schande gewesen. Leider sei es Reineck nicht vergönn gewesen, mit der Gewißheitzu slerben, daß die Ursachen, die einst zu Auschwitz führlen, unwiederholbar sci- en.

Fhemalige Michäftlinge aus Polen nehmen Abschied von ihrem Freund An llermann Recinccks Eeben und ver mächtnis erinnerten auch Pfarrer Joa- chim Proescholdt und Hansoachim Günther, Generalsekretär der Lagher- gemcinschaſt Auschwitz-Freundeskreis der Kuschwitzer und weitere Redner. lhr Migefühl und ihre Aneilnahme galt insbesondere auch Anni Roßmann-kKeit neck, der Witwe.

Besonders beeindruckend waren die Frauerreden von Janus? Mylnarski und Stanislaw Hantz, zweier ehemaliger Mit- häflinge Reinecks im Vernichtungsla-

ger Auschwitz, die in bewegenden Wor-

len von ihrem Freund und Kameraden Abschied nahmen. Stanislaw Hantz ver- neigte sich tief vor dem Bild des Verstor- benen und legte neben den Kränzen und Blumengebinden ein Stück Hãäftlingsklei- dung mit dem roten Winkel und der Auf-

schriftP fürpolitischer Häftling nie- der.

Die Trauerfeier wurde musikalisch um- rahmt von Vojislav Miller(Oboe) und Heike Matthiesen(Violine). Zum Schluß

sangen Ariane Enders, Gerhard Herr und Elzbieta Stamm(Gitarre) das LiedDie Moorsoldaten, das 1933 im KZ Bör- germoor Il bei Papenburg im Emsland entstand.

Viele Besucher trugen sich nach der ver- anstaltung in das im Foyer ausliegende Kondolenzbuch ein und besuchten noch einmal die von Hermann Reineck, dem wahren Menschen, der nun seine letz- le Ruhe gefunden hat, mitgestaltete Au- Schwitz-Ausstellung.

Der Buchstabe'P' an der Häftlings- kleidung bedeutete im KZ Auschwitz Pole'. Das Zeichen für'politischer Haftling' war der rote Winkel.(Red. Mitteilungsblatt)

Auch Rolf Gnadl, Landrat des Wet- teraukreises, hatte mit Hermann Reineck an einer Studienreise nach Auschwitz teilgenommen.