4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Wie Jugendliche Auschwitz erleben
von Klaus Konrad-Tromsdorf
Im Mitteilungsblan Jo9 habe ich an einem Beispiel(Gruppentagehuch*) gezeigt, welche Bedeutung das Schreiben' als eine Form des Sich- Auseinandersetzens mit den unmittelbaren Erfahrungen des Ortes Auschwitz für Jugendliche hat. Daß Schreihen' als Form des Fich-Mitteilens' nicht an hestimmte Formen gehunden Sein muß, zeigt ein weiteres Beispiel, welches im ſolgenden dokumentiert wird. Die Autorin(zum Zeitpunkt des Entstehens des Beitrages fünfeehn Jahre alt), wählte eine Textform, die man am eheylend mit einer KReportage vergleichen Kann, freilich einer Sehr pervõnlich gefärh- ten, d. h. die eigenen Findricke und Gefühle werden zum bestimmenden in- haltlichen und Stilistischen Element des Textes. Geschriehen wurden diese Zeilen im unmittelbaren Anschluß an ein ldngeres Gesprdch mit einem polni- Schen Zeitzeugen, Sie wurden nach Abschluß des Gedenkstdttenseminars in eine Informationsbroschüre übernommen.(Titel. Endlòsung', hysgg. v. d. Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen).
Adam Jurkiewiecz erzählt
von Nadja Gunkel
Wir werden heute Abend ein Ge- spräch mit einem ehemaligen Häft- ling haben. Wir warten. Zur verein- barten Zeit kommt ein älterer Herr: nicht sehr groß, mit ergrautem Haar, wie ein ganz'normaler Opa'- Adam Jurkiewiecz. Wir sind gespannt. Was wird er uns erzählen? Am Nachmit- tag haben wir das Gespräch vorberei- tet: Was erwarten wir davon? Was wollen wir fragen? Wir wissen, daß Herr Jurkiewiecz nur Polnisch spricht: von daher ist es uns wichtig, genaue Fragen zu stellen. Doch vor unseren Fragen soll er erzählen.
Als es still wird, stellt sich'unser Opa' vor. Er hieße Adam und sei 1921 in Nowicon, südlich von Krakow, ge- boren. Bis vor neun Jahren wäre er in den chemischen Werken von Oswie- cim beschäftigt gewesen, jetzt sei er Rentner. Dann beginnt er seine Er- zählung: Der Dolmetscher übersetzt in der Ich-Form. Am Anfang stört
mich das ein wenig, aber dann finde ich es gut. Ich notiere mir Stichpunk- te.
Er erzählt, daß er Anfang 1940 von der Gestapo verhaftet wurde. Ich weiß, daß das ein sehr früher Termin ist. Dann erfahre ich, daß es der erste Transport nach Auschwitz war. Nach drei Tagen im Gefängnis seiner Hei- matstadt kam er in das GetüngniQ von Tarnov. Was haben er und seine Mithäftlinge wohl gedacht, was mit ihnen passieren wird? Nach dem, was ich schon über Auschwitz weiß, wun- dert es mich nicht, daß man ihnen nicht sagte, warum sie festgenommen worden sind. Schließlich gab es auch keinen Grund, außer daß er Pole war und- vielleicht- daß man sie zum Lager-aufbau brauchte. Sie mußten Später Häuser im Stammlager bauen.
Aber zunächst erzählt Adam Jur- kiewiecz von der jũdischen Synagoge, in der sie einen Tag verbrachten, wo


