Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5
sie sich waschen konnten und Lebens- mittel erhielten. Am 14. Juni ging es dann'endlich' zum Stammlager Au- Schwitz. Im Personenzug. Das wun- dert mich, bis jetzt habe ich nur von Transporten in Waggons gehört, in denen die Menschen wie Schafe zu- sammengepfercht waren. Wenigstens ein Vorteil, wenn man schon so früh abgeholt wird, denke ich mit gemisch- 6* Gefühlen.
Im Stammlager wurden sie regist- riert und erhielten Hãäftlingsnum- mern. Lagerführer Fritsch sagte zu ihnen, daß sie unerwünschte Elemen- te Seien. Die Länge ihres Aufenthaltes im KZ sei unbestimmt, dauere aber mindestens bis zum Ende des Krieges. Was hätte ich wohl gemacht, was hät- te ich gefühlt, bei so einer Nachricht, wenn ich noch nicht einmal den Grund der Gefangennahme gewußt
hätte? Wäre so etwas auch heute noch möglich? In einigen Länder be- Stimmt! Bei uns?
In den nächsten zwei Wochen ler- nen Adam Jurkiewiecz und anderen Hãftlinge Lieder und»Verhaltens- regeln' und müssen Turnübungen ma- chen. Während der ganzen Zeit hat- ten sie die gleichen Kleider an, nichts zum Wechseln. Obwohl ich von den hygienischen Verhältnissen im K?Z weiß, kommt mir nur ein Wort in den Sinn:'Igitt!' Mir fällt der Spruch aus den Waschräumen des KZ ein: Sau- berkeit ist deine Pflicht'. Auch die in- haftierten Pfarrer hatten wãhrend der ganzen Zeit ihre Kutten an, auch bei den Tumübungen- bei dieser Vor- stellung muß ich lächeln, wäre es auch witzig, wenn ich es gesehen hät- teꝰ
Als die zwei Wochen um waren, ka- men die Häftlinge in das eigentliche KZ. Sie bekamen Häftlingskleider und mußten mit der Arbeit anfangen. Diese ging von früh morgens bis zum Abend. Außer einer kleinen Mittag- spause und dem Appell vor- und hin- terher. Beim Appell mußten sich alle Häftlinge aufstellen und wurden ge- zählt. War ein Häftling geflohen, mußten zehn andere hungem, bis er wieder gefangen war oder bis sie star- ben. Hätte ich einen Fluchtversuch gemacht, wenn ich gewußt hätte, daß dann andere sterben müssen? Viel- leicht wären sie sowieso gestorben- vielleicht aber auch nicht!
Arbeiten, das hieß z. B. das Lager auszubauen: mauer und im Lauf- schritt Schubkarren hin und her fah- ren. Bei dieser Arbeit hielt man nicht lange durch. Zum Uberleben mußte man eine Tätigkeit finden, die leich- ter war und bei der man ein Dach über dem Kopf hatte. Ab Januar ar-


