Heft 
(1995) 2/1995. August 1995
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5

Vortrag im Frankfurter Literaturhaus am 2. Februar 1995

Kinder und Jugendliche in Auschwitz von Margaretha Rebecca Hopfner(Wien)

Die Wiener Historikerin Margaretha Rebecca Hopfner promovierte an der Universitũt Wien mit einer umfassenden Arbeit über'Kinder und Jugendliche in Auschwitz. Zur Zeit hereitet vie die Verõffentlichung ihrer Doktorarbeit vor. Im Rahmen der Veranstaltung reihe anldßlich des 50.

8,

ahrestages der Befreiung von Auschwitz Stellte sie auf Finladung der Lagergemeinschaft den hier in gekürzter Fassung abgedruckten Vortrag

im Literaturhaus Frankfurt zur Diskussion.

An den Beginn der nun folgenden Ausführungen zum Thema'Kinder in Auschwitz' sei eine Aussage eines Uberlebenden von Auschwitz ge- Stellt. Der Wiener Hans Fürnberg wurde als Jugendlicher gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Ruth von Theresienstadt weg nach Au- schwitz deportiert. Ruth wurde im Juli 1944 in der Gaskammer ermor- det. Wie in allen Uberlebenden ist auch in Hans Fürnberg die Erinne- rung an das Erlebte stets gegenwär- tig. Seine Worte:

»Wenn ich an die vielen Toten Oenke. empfinde ich nur eine hilf- lose Trauer. Wenn ich mich niederle- ge, im Bett, Sehe ich Sie vor mir. Al- le. Die Gesichter. Die eingefallenen, aufgedunsenen. Meine Schwester Sehe ich dauernd. Der Mensch, der einem am nächsten gestanden ist, den hat man immer vor Augen.(..) Zum Abschied hesuch' ich sie noch einmal. Jeh Steig' da rauf auf diese Holzpritsche und sag' ihr: Servus, ich muß jetzt gehen mit den jungen Leuten. Und sie Sagt auch Servus. Und dann sehe ich, daß dieses

menschliche Wesen ja nie richtig ge- leht hat.

Die tragische Dramatik dieser Aussage spricht für sich selbst. Sie bedarf keiner weiteren Erklärung.

Schwierigkeit und Notwendigkeit, über Auschwitz zu sprechen

Fin zentrale Schwierigkeit für je- den, der sich Auschwitz nähert, faßt die österreichische Dichterin Inge- borg Bachmann in die folgenden er- kennbar stockenden Sätze:*. ich war in Auschwitz und in Birkenau. Nun hilft einem alles nichts, wenn man das weiß, denn in dem Augen- hlick, wo man dort steht, ist alles ganz anders. Jœh kann nicht darüber SPrechen, weil.. es giht auch nichts zu Sagen. Es wäre mir vorher mög- lich gewesen, darüher zu Sprechen, aber seit ich es gesehen habe, glaube ich, kann ichdas nicht mehr...

Nun aber ergibt sich für uns, die wir in einer kulturellen Tradition stehen, zu der nun Auschwitz unwi- derruflich gehört, die dringende, aber auch bedrängende Notwendig- keit, über Auschwitz zu sprechen.