Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
8. Mai wird angeblich zu'einseitig“ als Befreiungstag dargestellt
Rechte planen eigene Gedenkfeier
Ausgerechnet'Gegen das Verges- sen'“ nannte eine einschlägig be- kannte*Initiative“ ihren Aufruf zum 8. Mai 1945, mit dem sie per An- zeige in der FAZ V. April) Reklame für die»selbstbewußte Nation“ machte. Gefaselt wird von einer Paradoxie'.»Finseitig wird der 6. Mai von Medien und Politikern als Befreiung' charakterisiert. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, daß dieser Tag nicht nur das Ende der nationalsozialistischen Schrek- kensherrschaft hedeutete, Sondern zugleich auch den Beginn von Ver- treibungsterror und neuer Unter- driickung im Osten und den Beginn der Teilung unseres Landes. Fin Geschichtshild, das diese Wahrheit verschweigt, verdrängt oder relati- viert, kann nicht Grundlage für das Selhstverständnis einer velbsthe- wußten Nation sein, die wir Deut- Schen in der europdischen Võlkerfa- milie werden müssen, um vergleich- hare Katastrophen künftig auszu- Schließen.“ So der dürftige Text, dem noch ein Zitat von Theodor Heuss vorangestellt ist.
Die Initiatoren um die'neurechte Spitzenkraft“ Rainer Zitelmann und den Alt-Politiker Alfred Dreg- ger rufen auch zu einer eigenen Ge- denkfeier am 7. Mai nach München ein, mit Ernst Nolte, Alexander von Stahl(FDP) und anderen Gesin- nungsgenossen. In die Reihe der Un- terzeichner haben sich neben hohen
Bundeswehrangehörigen und Kohls Minister Spranger flugs auch Mit- glieder der Reps und andere rechts- radikale Kader eingereiht. Sie wol- len- s0 Thomas Assheuer in der FR (11. April)'vordergründig'nicht ver- gessen', was nie vergessen wurde: Daß am 8. Mai 1 945 der Zweite Welt- krieg, aber nicht aller Schrecken zu Ende war'. Zwar nicht offen ausge- sprochen, aber nahegelegt wird eine historische Zäsur: Das Kriegsende war für sie nicht ein Sieg der Demo- kratie, sondern Niederlage“ und Auftakt für Verbrechen gegen die »Besiegten“.
Auch der Germanist Richard Her- zinger geht in seinem Kommentar in der taz(15. April) auf die kunstvoll verdruckste Art und Weise, wie dort Provokationen angedeutet, aber nicht offen ausgesprochen wird'“ ein.'Während die plakative Parole eine skandalträchtige Umwertung der symbolischen Bedeutung des 8. Mai erwarten läßt, kommt die dar- unterstehende Erklärung im Gestus ausgewogener Bedenklichkeit da- her“. Nach Herzinger geht es bei dem Aufruf hintergründig um die Westintegration Deutschlands. Ver- klausuliert wird nahegelegt, an dem Nachkriegsunrecht gegen Deutsche seien auch die Westalliierten schuld. Damit solle die Westbindung gelok- kert und der Weg hin zur deutschen Vormachtstellung im Großraum Europa“? gewiesen werden.—


