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(1995) 1/1995. April 1995
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24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Für Ralph Giordano(taz 18. April 1995) fallen die Vorwürfe der po- litischen Ingenieuren des Aufrufs auf sie selbst zurück. Er hält den Rechtsaußenkreise des deutschen Konservatismusꝰ vor, daß gerade sie seit einem halben Jahrhundert mit ihrem einseitigen Beklagen deut- schen Leids durch ein'wohlsor- tiertes bis heute zäh durchgehalte- nes und alle historischen Zusam- menhänge verschweigendes'Verges- sen' aufgefallen sind. Besteht das Defizit der rechten Medien doch in der notorischen Unterschlagung

der Vorgeschichte von Flucht und Vertreibung, ihrer Chronologie und ihrer Kausalitäten. Nach der Ab- schaffung der demokratischen Frei- heiten ging der deutsche Staat mit

Zustimmung und Billigung der Mehrheit der Bevölkerung unver- züglich daran, Hunderttausende ir- reführenderweise»Emigranten' ge- nannte jüdische Bürger'zu den er- sten deutschen Vertriebenen 2u machen, die Armee hochzurüsten und schließlich in fast ganz Furopa einen Angriffskrieg zu beginnen. Welch grausame Gleichgültigkeit- So fragt Giordano-'liegt denn einer Gesinnung zugrunde, die wenig oder gar kein Wort über die Leiden ande- rer Völker unter der Naziherrschaft verliert, vor ihnen aber eine mög- lichst pflegliche Behandlung Deut- scher fordert, nachdem diese Herr- schaft um den Preis von 50 Milli- onen Toten gebrochen werden konn-

Gaskammer. Foto Inge Werth, in der GEW-Zeitschrift'Erziehung und Wissen-

Schaft, April 994. SieheArtikelS. 25