Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 30
waren. Die Liste wird von dem Huftlingsarzt Stanislaw Klodczinski verschlüsselt und mit Ziel London auf den bekannten Weg geschickt. Klodezinski fügt hinzu:„Tell, anbei allgemeine Berichte über die Henker von Ausch- witz. Alle Angaben sind über jeden Zweifel erhaben und echt. Sehr erwünscht, daß London schnellstens Todesur- teile über sie fallt.“ Am 21. September 1944 sendet das deutschsprachige Programm von BBC, das in Auschwitz klar zu empfangen ist, die Meldung, daß die polnische Exilregierung die Mörder von Auschwitz zum Tode ver- urteilt hat. Stanislaw Klodczinski kann als Lagerhäftling die Reaktion bei der S§ genau beurteilen:„Sie hatten Angst. Ich glaube, diese Nachricht hat zu einer Beruhi- gung im Lager geführt, was das Töten anlangt.“(
vielen Auschwitz-Hãftlingen hat Wanda Noworyta un- Schätzbare Hilfe geleistet. Die heute 65jährige Frau wohnte damals an der Bahnstation in Dwory, einem Vor- ort von Auschwitz. Seit Mitte 1941 werden in der Nähe, am õstlichen Ortsausgang von Auschwitz, die IG- Farben- Werke gebaut. Ein gigantisches Chemiewerk, das für an- geblich kriegsentscheidende Zwecke künstliches Gummi und Benzin produꝛieren soll. Die Buna-Werke werden nie ganz fertig, obwohl dort zeitweise bis zu 20 000 Häft- linge in zwei Schichten arbeiten. Anfangs werden die Zwangsarbeiter zu Fuß oder mit der Bahn vom Stammla- ger dorthin gebracht— bis das Lager Monowitz gebaut wird. Wer den Weg zur Großbaustelle geht, muß am Haus von Wanda Noworyta vorbei.
Ich habe das jeden Tag beobachtet. Als der polnische Vorarbeiter an meinem Haus vorbeiging, nahm er die Mutꝛe vom Kopf, Sagte Zwei, vier“ und begann dann mit dem Kommando zu singen. Das war ein Zeichen, daß der Zugang zu diesem Kommando möglich ist und die SS- Leute nichts sagen werden.“
Wenn der Vorarbeiter den Finger auf den Mund legt, droht Gefahr. Das Kommando ist dann nicht zugänglich. Die rettenden Lebensmittel versteckt Wanda in einer Scheune hinter dem Haus. Die SS-Leute erhalten als Be- stechung Schnaps und Zigaretten. Taglich kommen drei- Big Haftlinge und essen, zwei Jahre lang! Dann wird Wanda Noworyta von einem enttäuschten Verehrer ver- raten. Mit fünfꝛehn Jahren wird sie als jüngster Häftling Uberhaupt in den Block 11, den„Todesblock“ des KZ, eingesperrt. Nach vier Monaten Dunkelhaft und tãgli- chen Verhören wird sie freigelassen, gesundheitlich ange- schlagen, aber reinen Herzens. Sie hat niemanden ver- raten.
Wer den Haftlingen von Auschwitz hilft, der tut dies unter Lebensgefahr. Die Androhung der Todesstrafe steht als„Bekanntmachung“ an vielen Häuserwänden.


